In Bonn wurde zwischen CDU und SPD eineEinigung über die wesentlichen Bestimmungen des Grundgesetzes erzielt. Die drei Außenminister der Westmächte erleichterten diese Einigung durch ein Memorandum an den Parlamentarischen Rat, in dem sie im Gegensatz zu früheren Erklärungen lediglich die Rahmenbestimmungen der neuen deutschen Verfassung festlegten.

Nach einer mehrstündigen Verhandlung zwischen den Militärgouverneuren und einer achtzehnköpfigen Delegation des Parlamentarischen Rats, kündigte General Clay an, daß die westdeutsche Verfassung bis zum 15. Mai verabschiedet werden wird.

Unterrichtete Kreise in New York machten genauere Angaben über die umlaufenden Gerüchte einer sowjetisch-amerikanischen Fühlungnahme. Demzufolge, so berichtete ein AFP-Korrespondet aus New York, soll der sowjetische UNO-Delegierte Malik mit dem amerikanischen UNO-Vertreter Jessup verhandeln.

In Londoner diplomatischen Kreisen herrscht die Ansicht, daß die britische Regierung für die Beibehaltung der gegenwärtigen Politik der Westmächte sei, da die Gegenblockade der West- – mächte der sowjetischen Wirtschaft mehr schade, als im umgekehrten Fall die Berliner Blockade. Großbritannien wolle um jeden Preis die Aufnahme von Viermächteverhandlungen verhindern, solange Westdeutschland nicht seine Regierung erhalten habe.

General Clav wies in einer Erklärung darauf hin, daß es Ende 1947 offensichtlich, geworden sei, daß ein Übereinkommen mit der sowjetischen Regierung über ein geeintes Deutschland nur unter Bedingungen möglich wäre, die eine kommunistische Beherrschung des politischen und wirtschaftlichen Lebens Deutschlands begünstigen würden. Aus diesem Grunde hätten sich die drei Westmächte Anfang 1948 entschlossen, eine westdeutsche Regierung anzustreben.

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Eine Entscheidung über den Zeitpunkt der Eröffnung eines Kriegsverbrecherprozesses gegen die früheren Generalfeldmarschälle v. Rundstedt und v. Manstein sowie den Generalobersten Strauß ist, wie in London verlautete, noch nicht gefallen. Sämtliche britischen Zeitungen hatten sich gegen den Prozeß ausgesprochen oder entsprechende Leserbriefe abgedruckt. News Chronicle stellte die Frage in einem Artikel unter der Überschrift: „Setzt sie frei“, ob man damit bis zu ihrem Tode warten wolle und fügte hinzu: „Diese Angelegenheit ist ein Justizskandal nach totalitärem Vorbild.“