Von Herbert Engst

New York, im April

Der Verlauf der am 9. April im Rockefeller Center eröffneten Military Government German Exhibition hat alle Erwartungen übertroffen. In der Ausstellungszeit wurden über 120 000 zahlende Besucher gezählt. Der Andrang der Seh- und Kauflustigen darf als ein Ausdruck besten Willens, mit Deutschland wieder in normale Beziehungen zu kommen, gewertet werden.

Welchen starken und geradezu sensationellen Einfluß diese erste deutsche Warenschau auf amerikanischem Boden nach vielen Jahren auf die hiesige Öffentlichkeit ausübte, ist der „Publicity“ zu entnehmen. Alle großen Blätter wiesen mit dicken Schlagzeilen auf die Veranstaltung hin; das in Geschäfts- und Industriekreisen weitverbreitete „Journal of Commerce“ brachte eine 22 Seiten starke Sondernummer mit Begrüßungs- und Begleitartikeln von General Clay, General Robertson, General König, Administrator Paul G. Hoffman, Generaldirektor Logan und anderen.

Der direkte geschäftliche Erfolg der Veranstaltung beläuft sich auf Abschlüsse in Höhe von 1 Mill. $. Daß ein überraschend großes Verlangen nach deutschen Waren vorhanden ist, zeigte das Interesse. Es wimmelte geradezu vom Besuch ganzer Familien – darunter zahlreichen Deutschen aus der 86th Street –, die mit nie erlahmenden Überredungskünsten die Aussteller zu Einzelverkäufen zu veranlassen suchten. Ausrufe des Entzückens und der Bewunderung schwirrten durcheinander. Zeitweise herrschte ein derart dichtes Gedränge, daß man nur Schritt für Schritt von einem Firmenstand zum anderen gelangen konnte – übrigens sehr zum Ärger der gleichfalls zahlreich erschienenen Facheinkäufer.

Nach den Aussagen der Aussteller kam die erfolgte Geschäftsanbahnung als recht zufriedenstellend beurteilt werden. „Deutschland kann“, so äußerte ein Einkäufer eines bedeutsamen Warenhauses der 5th Avenue, „mit seinen Waren In USA wieder Fuß fassen, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Preiswürdigkeit, Neuheit und Qualität.“ In der Frage des Preises hat man sich in vielen Fällen bisher zunächst „berochen“. Über die deutschen Qualitäten und Neuschöpfungen spricht man sich einhellig anerkennend aus.

So fanden, um nur Beispiele zu erwähnen, die Offenbacher Lederwaren ungeteilt großes Interesse. Das gleiche galt für das reichbemusterte Textilwarenangebot. Im kunsthandwerklichen Angebot hatten Zinnwaren, Elfenbeinartikel und Keramiken die stärkste Nachfrage. Von den Schwäbisch-Gmünder Silberwaren interessierten vor allem Toilettegarnituren und Tafelgeräte und vom Pforzheimer Angebot vornehmlich die zahlreichen Neuschöpfungen in Finger- und Ohrringen. In der Sparte Spielwaren kam es zu erfolgversprechenden Verkaufsverhandlungen in Puppen und allen Arten mechanischen Spielzeugs.