Eine fixe Idee wird Wirklichkeit

Von Percy Eckstein

Unter den vielen Primaten, die es auf der Welt gibt, kann Rom jenes für sich in Anspruch nehmen, die kürzeste und nutzloseste Untergrundbahn dieser Erde zu besitzen. Das heißt, noch besitzt es sie nicht, aber zum Heiligen Jahr 1950, auf das alles ausgerichtet wird, was gegenwärtig in der Ewigen Stadt unternommen wird, soll die „Metropolitana“ funktionieren – die von Mussolini begonnene und von der nachfaschistischen Stadtverwaltung wohl oder übel fertiggestellte Untergrundbahn ins Niemandsland.

In der Via Cavour, einer von den wenigen wirklich scheußlichen Straßen, die es in Rom gibt, etwa auf halbem Wege zwischen Bahnhof und Kolosseum, war der Fortschritt der Arbeiten an der „Metropolitana“ von Monat zu Monat zu beobachten. Auf dem Grunde tiefer, in die Fahrbahn gebrochener Schlünde sah man da massige Betonkonstruktionen in die Reste uralten Gemäuers sich hineinkeilen, und immer neuer Schutt schwang in den Greifkränen nach oben, indes bereits ein Spinnennetz von Stahlgerippen sich über der klaffenden Wunde im Erdreich zusammenschloß.

„Was das kosten muß!“ war der erste Gedanke, der den Zuschauer immer wieder befiel, und unweigerlich schloß sich daran der zweite: „Schade um das viele Geld!“ Denn die völlige Nutzlosigkeit dieser „Metropolitana“ ist unbestritten.

Endstation: die Einöde

Nicht, als ob eine Großstadt von der Ausdehnung und Bevölkerungszahl des modernen Rom keinen Bedarf an einem leistungsfähigen Schnellverkehrsmittel hätte; aber die Trasse dieser römischen Untergrundbahn ist so angelegt, daß sie keinem einzigen wirklichen Verkehrsbedürfnis der Stadt gerecht wird. Und sie endet in einer Einöde, wo buchstäblich auf Kilometer im Umkreis keine hundert Menschen leben.