In der französischen Zone geht die Wirtschaftspolitik der Besatzungsmacht ihre eigenen Wege. Unter dem Vorwand der Entflechtung und Dekartellisierung werden langjährig bewährte Verbindungen zerrissen – und Monopole hinter dem „seidenen Vorhang“ gebildet. Ein typisches Beispiel bietet der Kohlenhandel.

Deutsche Kohlenhandelsgesellschaften mußten der Kohlen-Union A. G. Platz machen, die im vorigen Jahr von der Unichar (Union Chart anniere, Saargebiet) und einer größeren Anzahl französischer Kohlenhandelsgesellschaften mit einem Kapital von 500 000 RM in Ludwigshafen gegründet wurde. Die Union besitzt das Handelsmonopol für alle festen Brennstoffe, die nach der französischen Zone gehen. Diese Monopolstellung wirft wohl gute Gewinne ab; jedenfalls arbeitet die Gesellschaft teurer als die früheren deutschen Syndikats-Handelsfirmen. Die Union erhält von den in der Bizone geltenden Kohlenpreisen für die Umsätze, die über den Großhandel laufen, 4 v. H., der Großhandel 3 v. H. über den Großhandel zweiter Hand gehen nur die Geschäfte mit solchen Verbrauchern, die bis 200 t im Monat beanspruchen. Die übrigen Verbraucher werden von der Union unmittelbar beliefert, die dafür einen Rabatt von 7 v. berechnet.

In der Union ist also über die „Entflechtung“ nicht nur eine neue größere Verflechtung, sondern sogar ein vollkommenes Monopol mit all seinen Nachteilen für die Verbraucher entstanden. Dies wurde auch noch dadurch unterstrichen, daß zu der ersten Generalversammlung der Union die Presse nicht zugelassen war. weil die in der Versammlung besprochenen Einzelheiten die Öffentlichkeit „nicht interessieren“. Die Öffentlichkeit aber ist da ganz anderer Meinung. J. Sch