Eine der Stärken der freien Wirtschaft ist die automatische Auslese nach der Leistung, der die sozialisierte („verbürokratisierte“) Wirtschaft nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hat. Gerade in der Landwirtschaft sind die Unterschiede in den Leistungen der einzelnen Betriebe besonders hoch. Daher ist eine ständige Auslese hier eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Sie ist bisher immer frei erfolgt. Dort, wo man davon abgegangen ist, war es ein Fiasko. Die Staatsgüter (Kolchosen) in Rußland sind trotz besten Bodens jetzt nach 30 Jahren noch immer besondere Sorgenkinder. Von den 180 landeseigenen Gütern, die die Russen in Mecklenburg-Vorpommern 1945 bestehen ließen, mußten 98 auch noch bis 1948 versiedelt werden, weil die Zuschüsse zu hoch waren. Die Ernährungsleistung war natürlich trotz ausreichender Zugkräfte und Düngung entsprechend gesunken.

Schlange-Schöningen hat vor mehreren Jahren die Dinge sehr klar dargestellt: Der Landwirt unterscheide sich dadurch von allen anderen Berufen, daß sein Handwerkszeug, das Land, nur beschränkt zur Verfügung stehe. Ein Schuster könne überall seine Werkstatt aufschlagen. Sei er untüchtig, übernehme ein anderer sein; Kundschaft. Nicht so der Landmann. Durch dessen Untüchtigkeit falle dessen Land für die Ernährung aus, und könne nicht ersetzt werden. Daher gehöre „jeder Fetzen deutschen Ackers nur in die Hand von tüchtigen Menschen.“ Was aber ist geschehen, um dies in die Tat umzusetzen?

Seit fünfzehn Jahren ist die Wanderung des Acker vom schlechten zum guten Wirt durch staatliche Eingriffe aller Art künstlich erschwert, ja, seit neun Jahren praktisch unterbunden. Diese Eingriffe sind: Erbhofgesetz, Pachtschutzgesetz, Preisstopp im Grundstückverkehr, Verbot von Realpachten, Wertzuwachs- und Grunderwerbsteuer, Auflassungserschwerungen und Verteurungen aller Art, und neuerdings die sogenannten Sperrgesetze, die von verschiedenen Ländern 1947 erlassen wurden. Alle diese Gesetze hemmen die Initiative des tüchtigen einzelnen oder schröpfen ihn in dem Augenblick der Übernahme, wo er finanziell gerade am schwächsten ist. – Der Kontrollrat hat das Erbhofgesetz inzwischen beseitigt, weil es rassische Gesichtspunkte zur Grundlage hatte. Sonst ist nichts geschehen, um Land in die Hände von tüchtigen Menschen gelangen zu lassen.

Fünfzehn Jahre ohne Auslese müssen das Gesamtniveau schon an und für sich verschlechtern, Wieviel mehr gilt dies, wenn ein vierjähriger Krieg gerade die Tüchtigsten dahinrafft, und nachher Millionen in östlicher Sklaverei hinsterben! Viele Höfe werden von Großvätern oder Müttern mehr schlecht wie recht durchgesteuert, um sie ihren Enkeln oder unmündigen Söhnen zu erhalten. Auch die Selbstversorgung spielt dabei eine Rolle. Mit der Währungsreform ist wohl der Entschluß zur Verpachtung näher gerückt, die letztjährige gute Ernte läßt ihn jedoch nicht zur Reife gelangen, und – es wird weitergewurstelt.

Der natürliche Trieb, den Hof den Nachkommen zu erhalten, muß vom Staat billigerweise unterstützt werden. Früher wurde die Zeit bis zum Heranwachsen der Söhne gewöhnlich durch einen Pachtvertrag überbrückt. Heute ist dies durch den Gesetzgeber unmöglich gemacht. Eine Verpachtung kommt praktisch einem Verkauf gleich nur daß der Verpächter keinen Kaufpreis erhält. Welche Mutter oder welcher Vormund kann den Abschluß eines langjährigen Pachtvertrages in Geld statt in Roggenwert verantworten?

Es sei nicht bestritten daß die Pacht keine glückliche Besitzform ist. Die Opferbereitschaft des selbstwirtschaftenden Eigentümers zu Verbesserungen aller Art ist größer als die des Pächters. Aber ein tüchtiger Pächter ist besser, als eine unfähige Besitzerin, und die Pacht bietet jungen aufstrebenden Persönlichkeiten auch mit wenig Kapital eine Chance, und hierauf kommt es bei der heutigen Lage an.

Als Darré vor vierzehn Jahren das Pachtschutzgesetz schuf, hatte die Landwirtschaft eine schwere Krise hinter sich. Er wollte einmal eine finanzielle Gesundung der Pächter herbeiführen, und andererseits die dem Nationalsozialismus fast durchweg ablehnend gegenüberstehenden Grundbesitzer treffen. Der Einwand, daß allzu scharf schartig macht, wurde überhört, und die Folge war, daß notwendige Neuverpachtungen nun einfach unterblieben.