Die Gestalt Kaiser Friedrich H von Hphenstaufen erneut in eine Monographie z bannen, ist ein doppeltes Wagnis. Einmal wird der Versuch beschattet durch das überragende Werk von Ernst Kantorowicz (1929); zum ändern ist das Verständnis z wecken für diktatorische Gewalt und selbstherrliche Menschenverachtang, mit welcher der "sizüische Staufer seinen Platz an 4er Spitze des hochmittelälterlichen Abendlandes behauptete. Im Münchener Verlag (bisher F ßrudcmann) erschien die vierte von Wahls Kaiserbiographien des Mittelalters (Karl der Große, Canossa, Kaiser Friedrich Barbarossa) unter dem fordernden Titel "Wandler der Welt". Rudolph Wahl nennt auch diese Arbeit eine "Historie". Was er darunter versteht, hat er in den früheren Büchern bereits mitgeteilt: Verzicht auf Durchforschen des immer wieder durchforschten Quellenmateriais; aber auch Verzicht auf romanhaftes Ausschmücken und subjektive Färbung, welche die Grenze zwischen Phantasie und Geschichte verwischt. menen abendländischen Tradition gerechtfertigt "werden können.

Die Historie vermag darauf feeine Antwort zu lieben, aber sie vermittelt die Auseinandersetztjng mit dem drängenden Problem. Sie zeigt die weitgreifende Bildung des Staufers, der seinem. Zeitalter weit vorausgeeilt war, seine Naturerkenntnis und Geistigkeit. Sie sichert diesem Herj seher des Abendlandes den höheren Bereich, der ihm zukommt. Nicht ohae Sarkasmus weist Rudolph Wahl auch darauf hin, daß diese Geistigkeit dem Lehrer des heiligen Thomas von Aquin, Albertus Magnus, zum Vorbild diente. Hier wird fast unmerklich eine Verbindungslinie gezogen zwischen dem Erzketzer, den die römische Kirche verflocht, und dem heiligen Begründer der thomistischen Kirchenlehre. Vor dem Hintergrund einer Zeit, die in sich die Keime des Wandels zwm Neuen birgt und die damit den Durchbrach zur Renaissance öffnet, fühlt man sich hin- und hergerissen zwischen (Bewunderung nd Grauen. Dem dient schon das Bildsymbol, das dem Buch vorangestellt ist, ein angebliches Jugendbildnis des Kaisers mit den Zügen erstarrter Dämonie. Thomas Mann schrieb an den Verfasser: "Was für ein Gesicht! Ein gekröntes Haupt aus Dantes Hölle. Daß Ihr Buch nicht weit hinter dem Bild zurückbleibt, ist das größte Lob, das man ihm spenden kann Seelisches Wissen, der volle Blick für das Dämonisch Ungeheuerliche des Mannes, für die Problematik des geistvollen Tatmenschen und Wellbezwingers, Kompositionskunst, Erzähltalent, eine nicht ungewöhnliche aber kluge und reine Sprache— nichts fehlt, am das Leben des Buches zu einem tief fesselnden Genuß zu machen