Uraufführung eines Kortner Films in Berlin TTVitz Kortners Heimkehr wurde mit seinem J Film "Der Ruf", der im Berliner Marmorhaus uraufgeführt worden ist, Wirklichkeit. Er hätte für seine Wiederkehr keinen sinnfälligeren Stoff wählen können als diese Fabel, die mitten hinein in eine allgemein bewegende und den Menschen JKortner besonders betreffende Problematik trifft "Der Ruf gilt dem 1933 aus Deutschland emigrierten Philosophieprofessor, der nach den Kriege die neue kalifornische Heimat verläßt und den Weg zurück in sein Land und unter seine Menschen sucht. Kortner hat Idee und Drehbuch selbst geschaffen, und er ist der Gelehrte, der das alte und das neue, das ewige Deutschland sucht.

Wjeder bestätigt sich, wie schon einmal an Zuckmayers "Des Teufels General", daß offenbar der Ferne, der nicht mit durch die Stationen der tausend Jahre gegangen ist, eine verblüffend menschlichere Perspektive ihnen gegenüber hat als die Interpreten ohne Abstand, die im Lande geblieben sind. Kortners Film zeichnet die Tastversuche in dem verstörten Deutschland nach Kriegsende, die Verstrickungen in Haß und Einsicht, die Sentiments und die unerloschenen Gefühle; er umreißt die Begegnung mit der geschiedenen nichtjüdischen Frau, die dem Sohn den Vater verbarg, und er versagt sich die glückliche Lösung, indem er den Heimgekehrten, aber noch nicht wieder Aufgenommenen, den überall noch Böses und Giftiges erkennenden, sterben läßt Vom Politischen her bliebe wohl, manches gegen den Argwohn und die bittere Witterung zu sagen, die den Unsicheren bis zum Tode quält. Aber dies sind Bedenken, die vor allem de Regie Josef von Bakys betreffen, der im Ganzen wohl für das noble menschliche Dokument ein guter Spielführer war, aber ia den Typen der neuen Studenten ach der mißgünstigen Professoren durch zu eindeutige &öfilierung her karikaturistische Umrisse zuwege trachte. Dafür aber stellte er mit Johanna Hofer, Kortners Frau — der kleinbürgerlich verhemmten Professorenfrau mit allen ihren Ängsten gegenüber dem Regime — und mit dem klaren, unverbrauchten Gesicht von Rosemarie Murphy, zwei eindrucksvolle Frauengestaltea vor.

Den großen Sttl eines elementaren Filmereignisses aber gewann "Der Ruf" durch Kortner selbst. Dieses ongemein plastische Gesicht, das in allen Einstellungen die Szene von innen her zu durchbluten schien, hat dem deutschen Film lange gefehlt. Die Erinnerung an die großen Figuren, denen Kortners Temperament vor zwanzig Jahren unvergeßliches Leben einhauchte, wurde durch die Erkenntnis gestärkt, in welchem Mäße Distanz also von der Literatenwillkür eines Emil Ludwig oder dem oft problematischen Subjektivismus eines Stefan Zweig, wobei es dem "ffistorien maler WaW trotzdem zugute kommt, daß er freier zu atmen vermag als ein gründlicher Historiker wie Kantorowicz, der bei aller Großartigkeit des Stils and der Gebärde doch im Auftrag eines anspruchsvollen und exklusiven Konventikels (Stefan George) blieb.

Immerhin gilt es, bei der Darstellung Friedrich II das schwierigste Thema unserer Tage "Geist cmd Macht" so zu variieren, daß das eine durch das andere legitimiert erscheint, daß die Exzesse der Selbstherrschaft und SelbstbespiegeIwng unter dem Aspekt der in Anspruch genom