Ein Film mit Ingrid Bergman

Man möchte gern über Ingrid Bergman originell schreiben, aber es ist die Einfachheit dieser Darstellerin, die es verhindert. Weil wir gewöhnt sind aus Hollywood das maskenhafte Keep-smiling-Gesicht zu sehen, fällt die Natürlichkeit und Reinheit dieses Menschenantlitzes um so mehr auf, das nicht nur einer großen Schauspielerin gehört, sondern aus dem die innere Schönheit eines ganzen Menschen leuchtet. Besonders eindringlich in dieser Rolle einer Nonne, weil die Strenge des Ordenskleides allein dem Gesicht Ausdrucksmöglichkeiten läßt.

Auch ihr Partner in dem bemerkenswerten Film vom einfachen Leben in einem katholischen Erziehungsheim (Buch und Regie: Leo McCarey) – der jetzt auch in Hamburg (Die Kurbel) gezeigt wird –, auch Bing Crosby wirkt wieder durch die posenfreie Schlichtheit seines Spiels. Zwar muß er allzu unmotiviert singen, aber wie singt er schön und innig! Zwar hat der Film Stellen von entwaffnender Naivität und fremdartigen rührseligen Gefühlswerten, aber mit welchem Takt, mit welcher Toleranz und vorbildlichen Selbstverständlichkeit wird hier für ein tatkräftiges, lebendiges Christentum geworben. Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Moralintöne und mit mildem Humor, der um die Schwächen der Menschen weiß. Erika Müller