„Aber trifft dies, was sie das Wichtigste nennen, nicht auch auf Düsseldorf zu: die leichte und doch intensive, kunstfreudige Atmosphäre, die Möglichkeit, Filmindustrie und Filmproduktion in guter Nachbarschaft anzusiedeln, das große Hirtenkind der Filmkonsumenten (denn ist das Ruhrgebiet etwas anderes als eine geschlossene Stadt vieler Millionen?) und schließlich die Darsteller eines Theaterbereichs, der von Köln bis Bochum und Hamm reicht?...“

„Richtig! Das trifft auf Düsseldorf genau so zu. Wie aber, wenn Wiesbaden sozusagen in aller Heimlichkeit die Dinge weitergetrieben hat? Wie, wenn Wiesbaden einfach schneller war?“

Düsseldorf, die Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen, und Hamburg haben eines gemeinsam: sie sind die Großstädte in Westdeutschland, deren intensives Leben und Treiben und Schaffen sich am ehesten dem Begriff des Weltstädtischen nähern. Das wäre für das Filmgeschäft ebenso günstig wie für die Filmproduktion. Als „Gute Stube“ des Industriegebiets, in dem die Kinotheater die bevorzugten Stätten der Entspannung sind, reicht Düsseldorfs Einfluß weit. Erinnert man sich ferner daran, daß Hugenberg ‚ als er seinerzeit die „Ufa“ sanierte, auf die Hilfe der rheinischen Großindustriellen rechnen konnte, so kann man sich vorstellen, daß auch heute die Filmmäzene vielleicht in und um Düsseldorf zu finden sein mögen. Hugenberg allerdings war kein Förderer des Films von ausschließlich künstlerischem Interesse; ihm war es vor allem darum zu tun, ein Instrument zur-Meinungsbildung in die Hand zu bekommen, auf dem er den Massen aufspielen konnte. Warum aber sollten sich heute nicht Männer zusammenfinden, denen es um die Sache des Films zu tun ist? Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Arnold, hat betont, daß er die Pläne einer Ansiedlung des Filmschaffens in Düsseldorf fördern werde. Dasselbe hat Brauer, der Bürgermeister der Hansestadt, für Hamburg ausgesprochen. In Düsseldorf gibt es bereits einen „Klub der Filmwirtschaft“; Düsseldorf ist heute schon ein „Stützpunkt“ des Filmverleihs. Es ist der Produktion stets gut bekommen, wenn die Filme dort hergestellt wurden, wo die Kinotheater die meisten Besucher haben. So war es in Berlin. Je näher die Produzenten beim Verbraucher sitzen, desto mehr „Flair“ haben sie natürlicherweise für die oft unausgesprochenen Wünsche des Publikums, desto mehr haben sie jenes „Voraktualitätsgefühl“, das die Entwicklung der Dinge vorausahnt. Es zählt wenig, daß in einem Bunker des Städtchens Benrath bei Düsseldorf tatsächlich etwas wie ein Atelier entstanden ist, in dem die „Euphono“ einen Kriminalfilm mit Lotte Koch, Camilla Horn, Hermann Speelmans und Paul Henckels dreht. Immerhin, es ist ein Anfang ebenso wie eine Behelfslösung. Aber über die Notlösungen (in Hamburg hat man anfangs in dörflichen Gasthaussälen gedreht) sollten wir hinaus sein. Düsseldorf und Hamburg stehen vor der gleichen Entscheidung: größere Kapitalien einzusetzen. Beide Städte wären in der Lage dazu. Es fragt sich nun, welche Chancen sie dann hätten, gegenüber der alten Filmstadt München und der jungen Filmstadt Wiesbaden zu bestehen. (Wird fortgesetzt.)