Was bedeutet es – könnte man nach Art antiker Rätsel fragen –, wenn alle Deutschen etwas gewinnen, obgleich nur wenige, nämlich die Hamburger, etwas hergeben? Ja, wer hätte noch vor zwei Jahren, damals, als die Opposition gegen die Besatzungsmacht auf dem Höhepunkt war, gedacht, daß eine solche Frage die Deutschen beim Abschied von einem englischen Gouverneur bewegen könnte.

Hamburg kennt Vaugham Berry, der 1946 den Posten des Regional Commissioner in der Hansestadt übernahm, nicht nur als einen Engländer, der alle zwar sprichwörtlichen, aber dennoch nicht immer anzutreffenden Eigenschaften seiner Landsleute verkörpert: Fairneß, Humor, Schlichtheit, Objektivität und Besonnenheit, sondern es hat in Mr. Berry gleichzeitig einen Menschen achten gelernt, wie man ihn hüben und drüben heute nicht oft antrifft. Und das ist vielleicht das Wichtigste in einer Zeit, die über dem Geschwätz von Humanität an ihrem Mangel an Menschlichkeit zugrunde zu gehen droht.

Vom deutschen Standpunkt her gesehen hätte die englische Regierung darum gar keine bessere Wahl für ihren Vertreter in der Ruhrbehörde treffen können. Gerade das Ruhrstatut, dessen Funktionieren so sehr von dem Geist abhängt, in dem es gehandhabt wird, bedarf solcher Männer. Berry, der vor 40 Jahren als junger Student zum erstenmal nach Deutschland kam und von 1919 bis 1925 der Alliierten Rheinlandkommission angehörte, ist im übrigen ein guter Kenner Deutschlands. Wir dürfen gewiß sein, daß, solange er in Düsseldorf in der Internationalen Behörde seines Amtes waltet, Gerechtigkeit und nicht Egoismus dort den Maßstab seines Landes bilden werden, und daß er mit dazu beitragen wird, den Grundstein zu einem neuen Europa zu legen, über alle Nationalismen hinweg; denn das ist es, was er in diesen Jahren immer wieder versucht hat, unsere und auch seine Landsleute zu lehren. Dff.