Von der Kölner Möbelfachmesse wußte man, daß sie keine Konzession an die noch immer anhaltende Messe-Konjunktur, sondern eine der wenigen Messen sein würde, deren Notwendigkeit nicht bestritten werden konnte. Verlauf und Ergebnis haben den Beweis dafür erbracht Als großartige Leistungsschau war die Kölner Möbelmesse nach den stillen Jahren eine der größten Messen der Möbelwirtschaft. Starkes und reichhaltiges Angebot von über 400 Ausstellern begegnete einem lebhaften Interesse des Fachhandels. Es kann wohl auch gesagt werden, daß die Aussteller allgemein mit geringen Erwartungen nach Köln kamen und größtenteils angenehm überrascht waren. Im einzelnen sind hierzu natürlich manche Einschränkungen zu machen.

Herr Ronike (Minden), der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft holzverarbeitende Industrie, wies besonders darauf hin, daß eine gesunde Möbel Wirtschaft sich nicht ohne eine gesunde Bauwirtschaft entwickeln könne. Er forderte daher die Durchführung eines großangelegten Wohnbauprogramms (mit Hilfe öffentlicher Mittel) und die Einschleusung langfristiger Kredite für die Bauwirtschaft durch Wiedergründung der Bau- und Bodenbank, Dazu: Völlige Aufhebung der Kreditrestriktionen, beschleunigte – Gründung leistungsfähiger Kreditbanken und ausreichende Versorgung der neuen Industriebank mit langfristigen Kapital. Insbesondere müsse man den bedürftigen Flüchtlingen und Kriegsbeschädigten durch finanzielle Hilfe die Anschaffung des dringendsten Hausrats ermöglichen.

Als vordringlich; bezeichnete auch der Vorsitzende des Möbelfachverbandes in der Hauptgemeinschaft des Einzelhandels, Herr van Endert (Münster), die Absatzfinanzierung. Die Messe habe ein Möbelangebot – gezeigt, das nach Menge, Sortiment und Preis wahrhaftig allen Käufer-, wünschen Rechnung! trage. Trotz dieses erfreulichen Warenangebotes das ja schon seit Monaten vorliege, müsse der Einzelhandel-aber feststellen, daß das Geschäft seit Monaten schon „wie abgeschnitten“ sei. Fast wäre man versucht, von einem Käuferstreik zu sprechen – der freilich gerade auf dem Möbelmarkt völlig unbegründet und ungerechtfertigt sei. Die Preiserhöhungen für Möbel gegenüber dem Friedensstand seien ja relativ gering und zudem absolut kostenbedingt. Übertriebene Hoffnungen auf eine Preissenkung, wie sie vielleicht durch die Leistungssteigerung der Produktion hervorgerufen würden, wären völlig unbegründet, zumal bereits bald nach der Währungsreform zwangsläufig erhebliche Preissenkungen erfolgt seien. Man müsse sogar befürchten, daß die Preise wieder anziehen, falls die Produktion nicht auf dem gegenwärtigen Stand gehalten werden könne. Wenn nämlich die Absatzflaute weiter anhalte, müßten die Betriebe – wie schon jetzt in erheblichem Maße in Lippe, Hamburg, Bayern und Schleswig-Holstein zu beobachten – weitere Einschränkungen vornehmen; sie könnten dann natürlich mit ihren Kostenrechnungen nicht auskommen.

Nun, da man die Möbelindustrie auf höchste Touren gebracht habe, mußte für die finanziellen Voraussetzungen des Absatzes gesorgt werden. Die große Masse der Möbelkäufer sei auf Ratenzahlungen über 3 bis 12 (und mehr) Monate angewiesen. Hier solle „der Staat als Helfer“ eintreten, da weder der Verbraucher, noch der Einzelhandel und die Fabrikation von sich aus feine, ausreichende Hilfe leisten könnten. Die Kredithilfe würde auch die Vertrauenskrise der Verbraucher beenden helfen.

In diesen Äußerungen spiegelt sich typisch die Problematik jener übergroßen Spannung wider, die zwischen dem Leistungswillen und der Leistungskapazität einerseits und der mangelnden Möglichkeit, sie für den Absatz nutzbar zu machen, anderseits besteht: das Zusammentreffen eines ungeheuren Bedarfs mit einer weitgehend ausreichenden Befriedigungsmöglichkeit, die aber unter den augenblicklichen Verhältnissen zur Erwartung kommen muß und nur dann in vollem Umfang und auf lange Sicht praktisch wirksam werden kann, wenn Mittel zur Bedarfsdeckung flüssig gemacht werden können. Daß ein solches Verfahren sozial gerechtfertigt wäre, bedarf keiner Frage. Bild und Ergebnis der Möbelmesse beweisen aber, daß auch die Gegenleistung, die die Produktion für die bereitgestellten Mittel zu bieten vermag, allen Wertansprüchen genügt, so daß ein System des Absatzfinanzierung also voll gerechtfertigt wäre.

Den stärksten Eindruck vermittelte die hohe Qualität der ausgestellten Möbelstücke und die Vollständigkeit des Sortimentes. Die Verarbeitung, von allem Behelfsmäßigen befreit, weist einen friedensmäßigen Stand auf, der vor allem in der reichhaltigen Verwendung guter Hölzer und Furniere zum Ausdruck kommt. Der Verbraucher bekommt also für sein gutes Geld wieder gute Ware, wie sie besser nicht sein kann. In dem Bestreben, dem Geschmack der breiten Masse entgegenzukommen, wurde allerdings teilweise etwas zuviel getan. Vor allem wiesen die besonders zahlreich gezeigten Küchenbüfetts oft geradezu abenteuerliche Schweifungen, Wulste und Verzierungen auf, die nicht mit dem klaren Formwillen moderner Wohnkultur in Einklang zu bringen sind.

Vieleicht darf man hierzu aber sagen, daß die Industrie mit solchen Angeboten den Flüchtlingen und Ausgebombten unter den Verbrauchern dienen will, die – wie es die Praxis im Möbelhandel gezeigt hat –, oft hartnäckig die „gleichen“ Möbel zu kaufen wünschen, wie sie sie früher besaßen, um die gewohnte Umgebung nach Möglichkeit wiederherzustellen. Schließlich ist zu bedenken, daß die Aussteller und Einkäufer vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen stammten, wo das Küchenbüfett als Prunkstück der überall anzutreffenden Wohnküche besonders hoch geschätzt wird.