Wir haben zunächst gezögert, den Brief eines jungen ostpreußischen Bauern an seinen ehemaligen Pfarrer, der heute in der britischen Zone lebt, zu veröffentlichen, weil dieses in seiner Unbeholfenheit erschütternde Dokument von soviel Leid zeugt, daß man fürchten mußte, Qual und Verzweiflung hätten den Geist des Schreibenden verwirrt. Jetzt aber, nachdem uns der Hilferuf einer Frau aus einem anderen Ort des gleichen ostpreußischen Kreises erreicht, scheidet jeder Zweifel an der Glaubwürdigdieser Schilderungen aus. Dies der Wortlaut:

Wir verhungerten Deutschen, wo wir uns das Leben spärlich erhalten haben, mit Spaten und Leuten den Pflug selbst gezogen, wo uns das letzte Hemd vom Leibe runtergerissen wurde, wo wir immer auf Hilfe warteten, aber vergebens. Und jetzt durch Knutenhiebe und Mord zum Polen gebracht. Laßt unseren Ruf nicht unerhört verhallen! Wie das unschuldige Blut Abels zu Gott schrie, so schreit unser vergossenes Blut zu Gott. Wir bitten Herrn Pfarrer, daß für uns in den deutschen Kirchen Andacht gehalten wird, daß Gott sich unser erbarme und uns von den bestialischen, barbarischen Wölfen zu befreien.

Ein’ feste Burg ist unser Gott, ein’ gute Wehr und Waffe!

Die Deutschen werden nichts überfallen – mit Mord gedroht – mit Eisenstangen wird drauf geschlagen und zur Unterschrift gezwungen. In jedem Dorf sind Mordfälle – vier Männer in eine Klappfalle barbarisch reingestürzt und ermordet, zehn andere zu Tode gemartert. Die bearbeiten die Deutschen ganz grausam. Mit Eisenstangen geschlagene Mädchen werden nackend zur Ausschau gestellt, mit Hunger geplagt. Aus dem Lokus mit Händen den Kot müssen die Armen rauswerfen, Gummiknüppel genommen, die armen Deutschen zum Krüppel bearbeitet. Die Unterschrift (mit der die Deutschen für Polen optieren. Die Red.) ist errungen mit den Worten: .Wartet, bis euch der Amerikaner erlöst; der Amerikaner hat den Auftrag gegeben, die Deutschen zu ermorden!’ Ist das wahr? Bitte, das dort zu berichten! Helft uns verlassenen Deutschen. Wir warten auf Ihre Hilfe, Herr Pfarrer!

Unbarmherzig roh behandelt, gefesselt, mit Füßen gestoßen, gemartert, hordenweise wird das Volk gejagt, mit Peitschen geschlagen, gedroschen. Schlimmer wie Vieh behandelt liegen zu Tode geschleifte Deutsche, mit Wasser begossen, in Frost und Schnee auf die Straße rausgeworfen. Überall Tote und Verwundete mit ausgeschlagenen Zähnen hilflos rumgetrieben. Zwei Zeugen hingestellt, von hinten mit Eisenstangen draufgeschlagen, die Feder in die Hand gedrückt, blutüberströmt, heißt es jetzt. ‚Die Deutschen haben freiwillig unterschrieben.’ Frauen werden die Röcke hochgehoben, mit Gummiknüppeln und Eisenstangen zu Tode geschlagen; die Unterschrift ist errungen! 18. Februar – ein Mordtag für die Deutschen!

Ich komme mit der Bitte an unsere Obrigkeit, diese grausame Tat in die Zeitung zu setzen und uns von den barbarischen, bestialischen Polen zu retten. Wir wollen alle zu Euch, Brüder! Erbarmt Euch über das Kindergeschrei und über die brechenden Mutterherzen – Witwen und Waisen! Mit der Bitte Jesu, geh voran warten, wir auf Eure Hilfe!“

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