DIE ZEIT

Drei Kriegsgefahren und ein Friedensgespräch

Die Sowjetunion fürchtet den Zusammenstoß mit Amerika und insbesondere einen amerikanischen Präventivkrieg Europa fühlt sich durch den revolutionären und kriegerischen Imperialismus Moskaus bedroht.

Glaubt England an Labour?

Ob es wohl richtig war, daß die britische Labour Party ihrem Entwurf zu einem Wahlprogramm für 1950 den Titel gab „Labour glaubt an England“? Nicht allein ist es für jeden Briten eine überparteiliche Selbstverständlichkeit, an England zu glauben, die versöhnlich gemeinte Parole aus dem Labour-Lager hat auch die Gegenfrage „Glaubt England an Labour?“ in einem Umfange geweckt der den Wahlarithmetikern der Arbeiterpartei nicht ganz geheuer ist.

Humanität mit Hintergedanken

In Genf tagt seit zwei Wochen die vom schweizerischen Bundesrat einberufene „Diplomatische Konferenz für die Ausarbeitung Internationaler Abkommen zum Schutze der Kriegsopfer“.

Zwischenlösung für Kehl

Es hat in den letzten zwei Jahren viel Krakehl um Kehl gegeben; der ist nun vorläufig beendet In Washington wurde der Text eines Dreimächte-Abkommens über die Kontrolle des Rheinhafens veröffentlicht.

Aus der Perspektive der Eingeborenen

Bei den Diskussionen der UNO-Vollversammlung über die Zukunft der italienischen Kolonien sind die Großmächte mit ihren Plänen auf starken und überraschenden Widerstand gestoßen die kleinen Nationen stellten, mit Ausnahme der südamerikanischen Länder, die Forderung auf Unabhängigkeit der Kolonial Völker oder, wenn diese nicht zu erreichen sei, auf eine gemischte Treuhandschaft von kleinen Mächten, die nur das eine Ziel verfolgen solle, möglichst schnell alle Voraussetzungen zur Übernahme der Verwaltung durch die Eingeborenen zu schaffen.

DIE WOCHE

Die sowjetisch-amerikanischen Verhandlungenüber die Aufhebung der Berliner Blockade wurden in New York fortgesetzt. Der sowjetische Vertreter Malik stellte als Bedingung, seiner Regierung: 1.

Moskau am Pazifik

Jede Nachricht, die aus China kommt, erweckt in uns tausend Erinnerungen: die fast gleichgültigen Meldungen über die Preisgabe von Peking und Nanking, Stätten, deren nationale Symbolik bisher nicht oft genug betont werden konnte und deren Verteidigung „komme, was mag“ von den Stadtkommandanten immer wieder verkündet worden war.

Pandit Jawaharlal Nehru

Meisterwerke der Staatskunst sind selten geworden in dieser Zeit kalter Kriege, robuster Diplomatie und ideologischer Verbissenheit.

„Die Paladine“

Historische Schauspiele, die Parallelen zur vergangenen Zeit darlegen sollen, mit erhobenem Zeigefinger serviert, grob skizziert, ohne psychologische Bedingtheit der einzelnen Handlungen, und ohne logische Konsequenz in der dramatischen Verarbeitung – sei es vor einem antiken oder einem modern stilisierten Hintergrund – landen heute nicht mehr im Parkett (oder sie müssen reißerisch aufgezäunt sein).

Die Universität warnt

In Bremen und Schleswig-Holstein ist eine Schulreform durchgeführt worden, deren Kernpunkt die sechsjährige Grundschule bildet.

Einfach ein Mensch

Man möchte gern über Ingrid Bergman originell schreiben, aber es ist die Einfachheit dieser Darstellerin, die es verhindert.

Gouverneur Berry

Was bedeutet es – könnte man nach Art antiker Rätsel fragen –, wenn alle Deutschen etwas gewinnen, obgleich nur wenige, nämlich die Hamburger, etwas hergeben? Ja, wer hätte noch vor zwei Jahren, damals, als die Opposition gegen die Besatzungsmacht auf dem Höhepunkt war, gedacht, daß eine solche Frage die Deutschen beim Abschied von einem englischen Gouverneur bewegen könnte.

Hilferufe aus Ostpreußen

Wir haben zunächst gezögert, den Brief eines jungen ostpreußischen Bauern an seinen ehemaligen Pfarrer, der heute in der britischen Zone lebt, zu veröffentlichen, weil dieses in seiner Unbeholfenheit erschütternde Dokument von soviel Leid zeugt, daß man fürchten mußte, Qual und Verzweiflung hätten den Geist des Schreibenden verwirrt.

Lehrbuch der Menschlichkeit

Das Jahrhundert der Gaskammern und Atombomben hat einen Mann nicht entmutigen können, den seine Gegner mit Vorliebe einen „sentimentalen Schwätzer“ zu nennen pflegen: Victor Gollancz.

Notizen

Auf rund anderthalb Millionen schätzt man die Zahl der Neurotiker in Deutschland, wir auf dem Kongreß der praktischen Psychologen mitgeteilt wurde, der in Bremen stattfand.

„Raskolnikoff“

Stockholm hat (wie die „Zeit“ bereits berichtete) im vorigen Jahre die Uraufführung der neuen, nach Kriegende entstandenen Sutermeister-Oper erlebt, die nun in zwei deutschen Städten inszeniert wurde: in Hamburg und in München.

Stimme des Toten

Wolfgang Dohnberg, Gründer des Bremer „Theaters im Hause“, löste sich von seiner Bühne, die von Günther Huster weitergeführt wird, um in einem neuen Raum seine Arbeit mit einer Thieß-Uraufführung fortzusetzen.

Appell an die Verantwortung

„... die Unterscheidung nach Mensch und Unmensch, womit allerdings bei keiner Partei, die es auf der Erde gibt, Beifall zu holen ist, und doch müßte diese Unterscheidung, wie ich glaube, unser erstes Anliegen sein, auch wenn das Forum, das sich dafür finden läßt, immer schmaler wird.

Der Maler Eduard Bargheer

Der Hamburger Eduard Bargheer ist, wie es einst Hans von Marées geschah, dem Süden als Schicksal erlegen. Italien, zumal Foro auf Ischia gegenüber dem farbensatten Neapel, ist seine Wahlheimat geworden.

Die Lesehennen

Wir müssen unbedingt Hühner anschaffen!“ Diese Forderung erhob meine Frau mit der ihr eigenen Zähigkeit. Sie hämmerte es mir geradezu ein.

Die vertauschten Akzente

Von Hanns Braun Daß die Menschheit fernab vom Himmel lebt, haben unter anderm auch ihre Dichter erwiesen, damit, daß sie ihn nie so recht vorzustellen wußten.

Krankheit bedeutet häufig Krise

Daß der Arzt den kranken Menschen und nicht nur die Krankheit zu behandeln habe, ist eine uralte, ewig neue Forderung. (Siehe den Aufsatz über „Ganzheitsmedizin“ in der „Zeit“ vom 28.

Benavente und sein Publikum

Einst haben Lope de Vega und Calderón der spanischen Bühne Weltruf gegeben. Lope – ein Dichter von fast unglaublicher Fruchtbarkeit und von unerschöpflichem Reichtum an immer neuen und glänzenden Einfällen.

"Der Ruf"

Uraufführung eines Kortner Films in Berlin TTVitz Kortners Heimkehr wurde mit seinem J Film „Der Ruf", der im Berliner Marmorhaus uraufgeführt worden ist, Wirklichkeit.

Hans Pfitzner

Der große Musiker, der am 5. Mai sein achtzigstes Lebensjahr vollendet, ist nie Gegenstand der allgemeinen Gunst gewesen, so sehr auch seine Kunst durchaus die Fähigkeit der Wirkung nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Breite besitzt.

Ostdeutsche Passion

Eine wertvolle Materialsammlung zur Leidensgeschichte der Ostvertriebenen seit 1945, ist diese Broschüre „Ostdeutsche Passion“ (Westlandverlag Düsseldorf) des früheren sudetendeutschen Priesters Father E.

Deutsche Abschlüsse in Mailand

Zwei Dinge haben die deutschen Aussteller und Besucher der am 29. April zu Ende gegangenen 27. Internationalen Mailänder Mustermesse besonders überrascht: einmal die aufrichtige und betonte Herzlichkeit, mit der die deutsche Beteiligung an der Messe – außerhalb der Kollektivschauen im „Palast der Nationen“ die zweitstärkste ausländische hinter der nordamerikanischen und vor der schweizerischen, britischen und französischen – von der italienischen Wirtschaft begrüßt wurde, und zum anderen die erstaunlichen Fortschritte, die die italienische Produktion in den letzten Jahren gemacht hat.

Gute Ratschläge

Im „Manchester Guardian“ war kürzlich zu lesen: Westdeutschland müsse seine industrielle Erzeugung durch Aufnahme bisher nicht hergestellter Waren erweitern; so solle das deutsche Volk „seinen Glauben an die eigene Wiederaufrichtung dokumentieren“.

Legalisierter Schmuggel

Mit der Errichtung der Zoll-Leitstelle und den kürzlich erlassenen Bestimmungen über die Kontrolle alliierter Staatsangehöriger durch deutsches Zollpersonal an den Grenzübergängen (in Anwesenheit alliierter Vertreter) ist die entscheidende Voraussetzung für eine wirkungsvolle Unterbindung des Schmuggels und der illegalen Ausfuhr geschaffen,.

Schweizer Mustermesse

Die schweizerische Mustermesse, die vom 7. bis 17. Mai in Basel stattfindet und das erstemal im Jahre 1917 abgehalten wurde, trägt der alten Bedeutung der Stadt als wirtschaftliches Zentrum Rechnung.

Wiederbeginn deutscher Seeschiffahrt

Im Sommer 1945 haben die USA und Großbritannien gemeinsam mit der Sowjetunion beschlossen, daß der Teil der deutschen Handelsflotte, der den Krieg überlebt hat, unter den alliierten Mächten aufgeteilt wird und Deutschland lediglich eine beschränkte Anzahl kleiner Schiffe für den Verkehr an der deutschen Küste verbleibt.

Wieder wichtig

Hannover hat mit dem ersten Teil seiner diesjährigen Exportmesse, der „Allgemeinen Messe“, das gesteckte Ziel offensichtlich nicht erreicht.

Großer Bedarf – kaum Nachfrage

Von der Kölner Möbelfachmesse wußte man, daß sie keine Konzession an die noch immer anhaltende Messe-Konjunktur, sondern eine der wenigen Messen sein würde, deren Notwendigkeit nicht bestritten werden konnte.

Kapitalbildung aber wie?

Mit sichtlichem Stolz und unverkennbarer Zufriedenheit hat der Präsident des Wirtschaftsrates, Dr. Köhler, die auf „zweiten Anhieb“ erfolgte Genehmigung des zweiten Gesetzes zur vorläufigen Neuordnung von Steuern, bekannter unter dem Namen der „kleinen Steuerreform“, der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Junge Jubilare

Sie schätzen einander noch „wie am ersten Tage“, der Rundfunk und die Philips-Valvo-Röhre. Gleich alt – oder besser – gleich jung sind sie übrigens.

Herr Wen aus der Mandschurei

Obwohl Herrn Wen der sprichwörtliche chinesische Egoismus fehlte, war er typischer Sohn des Reiches der Mitte. Er gehörte einer der zahlreichen Familien an, die der seit dem ersten Weltkrieg in China fast ununterbrochen tobende Bürgerkrieg durcheinander gewürfelt hatte.

Schätze aus Galizien

Einige Zeit vorher waren von dem Inhaber des Wiesbadener Markenhauses Morgenbesser im „Katalog für Briefmarkenauktion“ „einmalige Marken“ angekündigt worden, die auf der Wiesbadener Auktion versteigert werden sollten.

Als die Mätresse Landplage war...

Man hat falsche Vorstellungen! Wenn unsereins zum Beispiel hört, daß die „großen Könige“ einst „Konkubinen“ oder „Mätressen“ hatten, so zuckt er richtig zusammen bei diesen Worten für eine Sache, die es heute nicht mehr gibt.

Irene de Noiret

Sicher ist dies auch eine Weltreise: die Chansons und Volkslieder anzuhören, die von Irene de Noiret in Hamburg (Theater Haus der Jugend) vorgetragen wurden.

„Trips to Europe“

Amtliche Stellen rechnen in diesem Jahr in Westdeutschland mit einem Besuch von 65 000 ausländischen Vergnügungsreisenden. In Holland, Belgien und England rüsten die Reisegesellschaften, und wenn man Berichten aus den USA glauben darf, dann wird 1949 eine neue Europa-Invasion anheben, mit Schiffen und Luftgeschwadern, und zwei zwar alte, aber darum nicht weniger wirksame Geheimwaffen werden zum Einsatz kommen, vor denen alle europäischen Zöllner, alle Hoteldirektoren in Paris und Amsterdam, Venedig und Zürich in die Knie gehen: der US-Paß und der Dollar.

Was außerdem geschah

Der Bombenteppich. Zum Andenken an die Schlacht um England hat eine Firma in Nottingham (England) einen Wandteppich mit Bombern, Jägern, Flakgranaten und Fallschirmspringern kunstvoll gewirkt und in der Londoner Guild Hall ausgestellt.

+ Weitere Artikel anzeigen