Ein neuer Frank Thieß

Wolfgang Dohnberg, Gründer des Bremer „Theaters im Hause“, löste sich von seiner Bühne, die von Günther Huster weitergeführt wird, um in einem neuen Raum seine Arbeit mit einer Thieß-Uraufführung fortzusetzen. Im Gegensatz zu Thieß’ Einakter „Der Engel“ und „Tod“ (siehe „Die Zeit“ vom 28. April) zeichnet sich dieses Werk durch dramatische Verdichtung, erregende Atmosphäre, eine harte gegenwartsnahe Sprache und psychologische Feinarbeit aus. Sie bringen den Grundgedanken, daß der Mensch nur Mensch sei, wenn er wahrhaftig lebt, in ein richtiges Verhältnis zu den Stilgesetzen des Zimmertheaters, und vermeiden einen allzusehr philosophierenden Dialog. Dohnberg selbst spielte die Hauptfigur: einen verkommenen Schauspieler, der des Geldes wegen unter der Maske eines totgeglaubten Kollegen lebt. In letzter Minute erst findet er – nachdem die Verstellung schon sein innerstes Wesen ergriffen hatte – zu sich selbst zurück. – Der Premierenbeifall war herzlich.