Hannover hat mit dem ersten Teil seiner diesjährigen Exportmesse, der „Allgemeinen Messe“, das gesteckte Ziel offensichtlich nicht erreicht. Von 175 000 Messebesuchern stammten rund 1200 aus dem Ausland. Nur wenige von ihnen waren wirkliche Käufer Man schätzt die Exportabschlüsse auf 5,5 bis 6 Mill. DM und die Inlandabschlüsse auf rund 27 bis 30 Mill. DM. An der Spitze der Exporte steht mit etwa 33 v H. die Porzellanindustrie (Vorjahr 6 v. H.). Holland, Belgien und Schweden waren die Hauptkäufer. Leider sanken die Exportaufträge, die die Textil- und Bekleidungsindustrie erhielt, von 33 v. H. im Vorjahr auf 15 v. H. ab. Dieser Industriezweig konnte dagegen beim Inlandgeschäft 60 v. H. erreichen, die Porzellanindustrie 17 v. H.

Für die – gelinde gesagt – recht mäßigen Exportabschlüsse wird man die verschiedensten Begründungen anführen können. Damit sollten sich aber zuständige alliierte und deutsche Stellen nicht abfinden, denn schließlich ist Hannover, ein (leider) sehr eindrucksvoller Beweis für die unendlich schwierige Lage des deutschen Fertigwarenexportes.

Bei allem Mißerfolg läßt sich jedoch eines nicht übersehen: die unleugbare psychologische Wirkung, die die Fülle deutscher Qualitätswaren auf den ausländischen Besucher ausübte. Viele Ausländer waren begeistert und zugleich erstaunt, als sie das von ihnen nicht erwartete Angebot deutscher Waren besichtigten. Ähnliche Eindrücke gewannen deutsche Aussteller kürzlich in New York, Utrecht und auch in Mailand. Die Unterrichtung des Auslandes über die Möglichkeiten der deutschen Industrie, den Auslandsbedarf zu befriedigen, ist – wenn man von den skandinavischen Ländern und den Ländern der Benelux absieht – selbst heute noch völlig unzulänglich. Hier steht den deutschen Exportfirmen ein weites, schwieriges und auch kostspieliges Betätigungsfeld offen.

Langsam beginnt Deutschland im Reigen der europäischen und außereuropäischen Länder wieder einen gewissen Wert zu bekommen. Und langsam nimmt man im Auslande auch den ’deutschen Markt wieder wichtig. Ein bezeichnendes Beispiel bietet hierfür eine niederländische Pressestimme, die sich dagegen wehrt, daß Holland anläßlich der Frankfurter Messe lediglich mit einem „beinahe ärmlichen Stand vertreten gewesen sei, mit dem sich Holland keines, Ehre einlegen konnte“. Uns freut diese holländische Ansicht. Sie ist eine Stimme der Vernunft und beweist, daß der reale Sinn der Kaufleute viel Gegensätze zwischen den einzelnen Ländern ohne besondere Schwierigkeiten überbrücken konnte.

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