Auch die Einführung der DM als alleiniges Zahlungsmittel in den Berliner Westsektoren konnte die Berliner Hausfrauen nicht von den Rechenproblemen erlösen, vor die sie sich bei ihren Einkäufen täglich gestellt sehen. Es sind Probleme, die anderen Hausfrauen auf dieser Welt kaum bekannt sein dürften.

Der Berliner Hausfrau stehen für ihre täglichen Einkäufe zwei (für die eingeweihte aber drei) verschiedene Währungen zur Verfügung. In den Westsektoren kauft sie nur gegen Westmark; der Besitz von Ostmark ist erlaubt, dagegen der Besitz von Dollars verboten. Im Ostsektor kann die Hausfrau für Ostmark oder für Dollars einkaufen. Hier ist wieder der Besitz von Westmark verboten. Um nun billig und zweckmäßig einzukaufen, muß die Berlinerin über die Preisunterschiede in den drei Währungsarten und auch über die jeweiligen Umtauschkurse orientiert sein. Wenn sie etwa in den Westsektoren 1 kg weißen Zucker „schwarz“ kaufen will, braucht sie 7 DM; im Freien Laden des Ostsektors kostet das Kilo 32 Ostmark und im Intourist-Hotel 1/2 Dollar. Steht nun der Tageskurs Ost–-West 1 : 5, so würde die Hausfrau bei dem Zuckereinkauf im Freien Laden immerhin 3 Ostmark sparen. Steht aber der Dollar auf dem Schwarzen Markt auf „8 West“, kauft sie zweckmäßigerweise einen halben Dollar, steckt diesen bis zum Ostsektor in ihren Strumpf und kauft dafür ihr Kilo Zucker im Intourist-Hotel. So spart sie durch diese Transaktion 3 DM, die sie bei einem Einkauf auf dem Schwarzen Markt in den Westsektoren zulegen müßte.

Einst waren derartige „Devisenrechnungen“ ein Privileg des Bankbeamten oder des Kaufmannes. Heute werden sie spielend von den Berliner Hausfrauen bewältigt. Leider ist für sie damit ein ständiges Hin und Her in überfüllten und ramponierten Verkehrsmitteln verbunden, die schon, um 18 Uhr ihren Betrieb einstellen.

Diese aufregende Einkaufsmethode wäre kein so großes Problem, wenn Preise und Kurse stabil blieben. Leider verschiebt sich das Bild täglich. Und vielleicht kauft die Hausfrau morgen wieder besser und billiger im Freien Laden und übermorgen noch billiger auf dem Schwarzen Markt der Westsektoren. M. v. B.