Am vierten Jahrestag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom Parlamentarischen Rat in Bonn mit 53 Stimmen gegen 12 Stimmen der bayrischen CSU, der KP, des Zentrums und der Deutschen Partei angenommen. Das Grundgesetz wurde den Militärgouverneuren zur Genehmigung überreicht. Die neuen Farben des Bundes sind schwarz-rot-gold.

Der bayrische Ministerpräsident Dr. Ehard erklärte in einer Rundfunkansprache, daß eine Ausgliederung Bayerns aus der deutschen Gemeinschaft überhaupt nicht diskutabel sei. „Bayern wird sich nicht loslösen, aber nicht, weil es sich nicht loslösen kann, sondern weil es sich nicht loslösen will.“

Der KPD-Vorsitzende für die Westzonen, Max Reimann, äußerte in Bonn vor Pressevertretern, daß der Parlamentarische Rat mit seiner Verfassung zu spät komme. Die Alliierten hätten sich bereits in den Vorbesprechungen über eine gesamtdeutsche Lösung geeinigt.

Parlamentarische Kreise Südbadens wiesen darauf hin, daß die vorhergesehene Verabschiedung des Grundgesetzes durch die Landtage verfassungsmäßig in Südbaden nicht möglich sei. Dort könne man das Grundgesetz nur durch eine Volksabstimmung annehmen, wenn nicht ein gegenteiliger Befehl der Militärregierung erfolge.

In einem gemeinsamen Kommuniqué, das den erfolgreichen Abschluß der New Yorker Ost-West-Gespräche mitteilte, bestätigten die vier Mächte offiziell, daß am 12. Mai die vor über einem Jahr über Berlin verhängte sowjetische Blockade ebenso wie die .Gegenmaßnahmen des Westens enden werden. Der Außenministerrat wird 11 Tage danach zur Erörterung des gesamtdeutschen Problems in Paris zusammentreten.

Der britische Außenminister Bevin weilte in Begleitung Lord Hendersons zu einem dreitägigen Besuch in Deutschland. Er besichtigte in Berlin die Einrichtungen der Luftbrücke und führte Besprechungen mit Dr. Adenauer, Dr. Schumacher und Ministerpräsident Arnold.

Diplomatische Kreise in Washington wiesen im Zusammenhang mit den Pariser Besprechungen darauf hin, daß diese Verhandlungen keineswegs so einfach seien, wie es scheine, denn bei der Entscheidung über das Schicksal Deutschlands müßten zwei bisher unversöhnliche Standpunkte in Einklang gebracht werden. Die Westmächte hätten nicht die Absicht, in wichtigen Punkten nachzugeben. In London betonte man, daß die Verhandlungen „fast verdächtig glatt“ verliefen.