Zur Rehberg Uraufluhrung in Wuppertal Herr Nachbar, versteht Ihr, was das alles bedeuten soll?" fragt ein biederer Londoner Bürger, als die Königin Elisabeth ihren Feldherrn nd Günstling Essex als einen Rebellen ausrufen läßt, diesen Essex, der ein Liebling des Volkes und ein Liebhaber der Königin war. Der Nachbar versteht es "nicht. Aber wie Hans Rehberg in dem jüngsten Glied seiner Kettendramen, in "Elisabeth und Essex", diesen historisch politischen und menschlichen Konflikt behandelt, das verstanden außer jenem Londoner Böiger auch manch Zuschauer in Wuppertal nidit. Viele gingen hinaus, als der eine der beiden Titelhelden auf zünftige Manier zu Tode befördert worden war. Rehberg aber war noch nicht am Ende Seine Teilnahme galt vor allem der Königin und Frau. Wie er ihren Doppelkonflikt austrägt — die alternde Frau nd der jüngere Mahn, die Herrscherin und der geliebte Rebell — das hat in Wappertal keine ungeteilte Anerkennung gefunden. Den anwesenden Dichter begrüßten dann im Schlußbeifall einige Pfiffe.

Diese Reaktion ist bemerkenswert. Denn angesichts der Spärlichkeit dramatischer Begabungen in Deutschland fand and findet Rehbergs Talent immer noch die Aufmerksamkeit der Theaterfetter "Elisabeth und Essex" ist schon die dritte Uraufführung, die dieser Autor seit Kriegsende zu verzeichnen hat. Und zuvor, von 1935 bis 1941, präsentierte uns fast jedes Spieljahr ein neues Stück. Von der "politischen Dichtung" jener Zeit hoben sich der Hohenzollern Zyklus Rehbergs, dann seine "Königin Isabella" und aas der englischen Welt zunächst "Heinrich und Anna" immerhin durch Perspektiven ab, die nicht an der Tagespolitik klebten. In "Elisabeth und "Essex" aber geht es am die insulare englische Staatsräson, die auch nur fragmentarisch bebandelt wird. So entstand die Aufgabe, eine psychologisch fundierte Tragödie zu schreiben. Dazu ist jedoch das Rehbergsche Produktionsschema zu weitmaschig and indirekt.

Der Wuppertaler Regisseur Willi Rohde half den Schwächen des Stückes nicht durch stütz ende Szenenbflder nach, sondern knüpfte an den intellektuellen Stil an, versuchte aus Wort, Geste und Bewegung herauszuposssen, was nicht darin war und auch mit den Mitteln der Übersteigerung nur von sehr starken Schauspielern gebracht werden könnte (Für die Titelrollen standen in Elisä Tuersehmana nnd Kaspar Briininghaus immerhin zwei eindrucksvolle Persönlichkeiten zur Verfügung ) Der experimentelle Charakter "der Aufführung diente zugleich der Erprobung einer Bühne, die in dem neu errichteten Theater erste Folgerungen des Theaterbaus aus den Saalböhnen der Nachkriegszeit gezogen hat und, mit einem Halbkreis weit ins Publikum vorspringend, mit den beibehaltenen Möglichkeiten zur Guckkastenform eine "Räumbühne" als Weg in die Zukunft sein möchte.