Die Bereinigung des Wertpapierwesens ist eines der Probleme, die seit Jahren anstehen. Mit ungläubigem Staunen vernimmt der verzweifelnde Ostdepotbesitzer, daß es bislang keine deutsche Stelle gibt, die befugt wäre, die langersehnte Regelung endlich in Gang zu bringen. Die Bico, die dem Wirtschaftsrat die Kompetenz zum Handeln erst erteilen müßte, hüllt sich in Schweifen.

Angesichts der Frage, wie lange dieser Zustand noch andauern soll, ist es aber wenigstens ein Trost, daß das Gesetz, schon vorsorglich ausgearbeitet, in der Schublade der Finanzverwaltung liegt. Anscheinend hat man auf alliierter Seite noch nicht eingesehen, daß Eile geboten ist, denn es geht nicht allein darum, dem Aktionär wieder zu Stimmrecht und Dividende zu verhelfen, sondern auch weiteren Mißbrauch zu verhüten. In letzter Zeit häufen sich die Meldungen (vor allem aus dem Auslande), daß Aktien und Obligationen angeboten werden, die offensichtlich aus den Ostdepots stammen. Bei aller Zuversicht, die man aber hegen mag, daß es gelingen wird, die ursprünglichen rechtmäßigen Mitbesitzer wieder zu ermitteln, wird man doch in allen Zweifelsfällen vor der Schwierigkeit stehen, daß nach geltendem deutschen Recht der gutgläubige Erwerber geschützt ist. Der rechtmäßige Altbesitzer ist ihm gegenüber machtlos, und es bleibt diesem im Notfalle nichts übrig, als nach dem unrechtmäßigen Verkäufer „bösen Glaubens“ zu fahnden und dort auf Entschädigung zu hoffen. Um also einen Rattenschwanz solcher Komplikationen zu vermeiden, wäre zu hoffen, daß die Bico recht bald ihre Kompetenzerklärung ausfertigt und damit den Startschuß zur Wertpapierbereinigung gibt. R–r.