Es muß kein böses Omen für die bis zum15. Mai laufende „Flensburger Messe“ sein, wenn man am Eröffnungstage von zwei ichmuck uniformierten Hütern der Ordnung im und vor dem Bahnhofsgebäude Flensburgs keine klare Auskunft über die Lage des Quartier- und Messeamtes erhalten konnte. Das spricht, wie gesagt, nicht gegen die Flensburger Messe; es zeigt hochstens eine unbegreifliche Interesselosigkeit gewisser beamteter Ordnungshüter gegenüber den unermüdlichen Bemühungen der Stadt Flensburg, ihrer besonders schwierigen Wirtschaftssituation neue Impulse zu geben. Die einstige Export-Musterschau, 1947 die Serie der Flensburger Messen einleitend, hatte 1948 das Pech, in den Zeitpunkt der Währungsumstellung hineinzugeraten. Daher konnte das Ziel, die Ausstellung zu einem „Tor zum Norden“ werden zu lassen, nicht erreicht werden. Und bei den augenblicklichen Schwierigkeiten des deutschen Exports nach Skandinavien fürchten wir, daß Flensburg auch diesmal nur ein Schaufenster bleiben wird. –

Auf dem idealen Gelände an der Förde sind in 220 Ständen 340 Firmen vertreten, die zu 50 v. H aus Schleswig-Holstein und Hamburg stammen. Weitere 50 v. H. verteilen sich auf die übrigen Länder der drei Westzonen und auf Berlin. Die Textilindustrie ist mit etwa 30 v. H. vertreten. Im Mittelpunkt steht hier der repräsentative Stand der Firma Thomas & Co., Bremen, die am Fördekai sogar mit ihrem schwimmenden Auslieferungslager MS „Regina“ vertreten ist und erhebliche Inlandabschlüsse verzeichnen kann.Starkes Interesse erweckt als Messe-Neuheit eine klapp- und unterteilbare Backform eines Fabrikanten aus Duisburg, desgleichen ein sehr preiswerter Baukasten der Firma K. Friedrich, Eßlingen-Hegensberg, aus dem Kinder leicht einen Roller, ein Dreirad oder einen Selbstfahrer basteln können. Die Firma Bernhard Dietrich, Süderbrarup (Angeln), stellt ihr Sofabett „Skandia“ aus, das zwei Personen ein normales Bett bietet und trotz seines geringen Preises ein formschönes Möbelstück ist. Die Radioindustrie ist mit der Produktion der jetzt in Rendsburg ansässigen Firma Wobbe und dem neuen Gerät „Baby“ (M. Macker, Frankfurt/Main) vertreten.

In der Gruppe Fahrzeugbau werden die wiederaufgenommene Produktion der Goliath-Werke, die Borgward-Wagen, Brüning-Thermoswagen, der neue Typ „Hanseat“ der Hamburg-Härburger Tempo-Werke und das Lieferdreirad der Morobau GmbH., Kaltenkirchen (Holstein) gezeigt. Im Freigelände erwecken ferner die Dreirad- und Vierradschlepper (24 PS) der Karl Ritscher GmbH., Sprötze (Kreis Harburg), ein neuartiger Bespannwagen der Fahrzeugfabrik Fröhling, Neumünster, und eine Universal-Motorhackfräse (3 PS) der Maschinenfabrik Möckmühl (Württbg.) die besondere Aufmerksamkeit der landwirtschaftlichen Besucher.

Gemessen an den Erfahrungen von Köln, Frankfurt und Hannover wird auch Flensburg zu einem gewissen Inlanderfolg kommen. Das dürfte sich für das Wirtschaftsleben von Schleswig-Holstein erfreulich günstig auswirken. Darüber hinaus wäre es aber zu wünschen, wenn Flensburg zur Anknüpfung wertvoller Verbindungen mit dem skandinavischen Raum wirklich die erstrebte Plattform werden würde.