Zwei Begebenheiten, die sich tatsächlich ereignet haben, sind typisch für das durch den „Eisernen Vorhang“ getrennte Nachkriegsdeutschland:

Ein überfüllter Konzertsaal in einer Stadt im Ruhrgebiet. Das Ereignis des Tages: Eduard Erdmann spielt sein Klavierkonzert. In der Pause kommt Erdmann in das Stimmzimmer und findet die Orchestermitglieder in einen erregten Disput verwickelt, der von einem der Musiker mit Worten wie „atonaler Blödsinn“ und „wahnsinniger Tonsalat“ geschürt wird und sofort verstummt, als man den großen Pianisten bemerkt. Ein anderer – war’s der Konzertmeister? – kommt auf Erdmann zu: „Herr Professor, nehmen Sie’s dem Kollegen nicht übel, er ist gerade erst aus der Ostzone gekommen ...“

Kürzlich bekamen die Kulturschaffenden in Thüringen ein Pfund Butter extra. Darob herrschte große Freude, nur nicht bei den Schauspielern des Theaters in Eisenach. Sie waren leer ausgegangen. Sie gingen zur zuständigen Stelle und fragten höflich: „Warum haben wir nicht auch...?“ und betonten, sie hätten mehr als andere geschuftet: Morgens Proben, nachmittags und abends auf der Bühne und dann noch die kulturelle Betreuung der umliegenden Ortschaften. Hinter der behördlichen Schranke wurden die Mienen abweisend. „Sie haben Ihr Soll nicht erfüllt“ – „Wir hatten jeden Abend Vorstellung!“ Ein Blick in die Listen und dann der Bescheid: „Alles richtig, aber die Vorstellungen in Ihrem Theater waren nicht jeden Tag ausverkauft.“