Das von den Militärregierungen der Bizone erlassene Beamtengesetz sieht für Angestellte, die in das Beamtenverhältnis übernommen werden, ein. Ausleseverfahren vor. Da die Überführung in den Beamtenstatus das Recht auf Dauerbeschäftigung mit sich bringt, ist es nur recht und billig, daß man sich vorher überzeugt, ob der Partner die erwarteten beruflichen und charakterlichen Voraussetzungen erfüllt. Sie nachzuprüfen, sollte für den Fachmann nicht schwer sein. Das bizonale Personalamt aber hatte es auf ein Ausleseverfahren besonderer Art abgesehen. Es sollte – schließlich lebt ja ein großer Teil der Bizone unter amerikanischer Besatzung – dasin Amerika erprobte Test-Verfahren, das die Reaktionsfähigkeit und -geschwindigkeit des Prüfungskandidaten auf verschiedene Vorgänge feststellt, angewendet werden. Das mag für gewisse Berufe oder Arbeiten ganz zweckmäßig’sein. Ob es aber zum Beispiel für die Feststellung der Fachkenntnisse eines Buchhalters das geeignete Mittel ist, bleibt eine Streitfrage.

Gründlich, wie wir zu unserem Stolz und Pech nun einmal sind, wollte man wieder einmal gleich aufs Ganze gehen. Das Personalamt schlug dem Verwaltungsrat vor, zehn akademisch diplomierte Psychoanalytiker, zehn weitere technisch verstörte Kräfte dieses Fachgebietes und noch fünf mit den entsprechenden Fachausdrücken vertraute Stenotypistinnen zu engagieren. Wer viel mit Behörden zu tun hat, könnte die Überprüfung manches ihrer Vertreter durch einen Psychoanalytiker verständlich finden. Der Verwaltungsrat, der sonst bei seinen Arbeiten wahrlich nichts zu lachen hat, lachte bei dieser Gelegenheit so einmütig, daß es keiner Debatte bedurfte, den Antrag des Personalamts abzulehnen. Man soll nicht den Teufel an die Wand und den Psychoanalytiker ins Zeugnis malen; denn man kann ja nie wissen... R. S.