R. K. N. Zürich, Anfang Mai

Dem ergebnislosen Abbruch der in Bern geführten Handelsvertragsverhandlungen zwischen der Schweiz und den Westzonen (vgl. „Die Zeit“, Nr. 14) ist kürzlich die Kündigung des Zahlungsabkommens zwischen beiden Gebieten durch Bern gefolgt. Seit dem 10. Mai besteht also zwischen der Doppelzone und der Schweiz kein Handelsvertragsinstrument mehr; über ein neues Abkommen wird verhandelt.

Offenbar hofft der Bundesrat, der sich freilich in seinen Verlautbarungen zu den Wirtschaftsverhandlungen mit Westdeutschland recht zurückhaltend zeigte, den schleppenden (und im Lande scharf kritisierten) Gang der Verhandlungen, die nun in Frankfurt weitergeführt werden, durch diese völlig „usancewidrig“ kurze Kündigungsfrist zu beschleunigen. Für die Beurteilung der Lage mag ein Bericht der Zürcher „Tat“ bezeichnend sein, in dem es heißt: „Dieser Beschluß läßt an Deutlichkeit nun nicht mehr zu wünschen übrig. Die Alliierten dürften ihm ohne weiteres entnehmen, daß die Verhältnisse untragbar geworden sind, und daß sich die schweizerische Wirtschaft nicht mehr in der bisherigen Politik der praktisch unbeschränkten Importe und der endlos verhinderten Exporte bekennen kann.“ Und weiter: „In deutschen Wirtschaftskreisen läßt sich ganz eindeutig feststellen, daß der Wille, die alten Schulden nach und nach abzuzahlen, vorhanden ist. Wie es nun aber kommt, daß die alliierten Stellen an der Diskussion der Schuldenfrage kein oder doch nur wenig Interesse haben, ist uns reichlich unerklärlich.“

Allgemein läßt sich feststellen, daß seitens der hiesigen Kritik deutlich zwischen den deutschen Stellen und den alliierten Behörden unterschieden und die Möglichkeit einer glatten Regelung der schwebenden Fragen festgestellt wird, soweit es von Deutschen abhängt. Alle Kommentare unterstreichen, daß es die alliierten Stellen sind, die an dem Bestehen einer in Drittländern frei verwertbaren Clearingspitze in Schweizer Franken interessiert sind, und sprechen von einer „verdeckten Form der Devisenschöpfung“ im Interesse devisenschwacher Drittländer.