Die angelsächsischen Mächte werden in Spanien niemals eine kommunistenfreundliche Regierung zulassen. Als Bastion zwischen Atlantik und Mittelmeer und als Brücke zwischen Frankreich und Nordafrika ist Spanien ein viel zu wichtiger Eckstein weltpolitischer Strategie. Franco durfte sich auf diese Tatsachen verlassen, als im Dezember 1946 die UNO den Bann über ihn verhängte und die monarchistische und republikanische Opposition zu neuem Leben erwachte.

Jetzt scheinen die Früchte dieses selbstbewußten Gleichmuts zu reifen. Als der Atlantikpakt ohne Spanien vorbereitet wurde – das Omelette ohne Eier, wie der spanische Diktator ihn nannte –, konnte Franco sich sagen, daß die iberische Lücke in diesem System unmöglich auf die Dauer offenbleiben könnte. Das amerikanische Kriegsministerium als Hauptinteressent überstieg zuerst den Zaun, mit dem man Franco-Spanien umgeben hatte. Es würde heute niemanden mehr überraschen, wenn eindeutige Abmachungen zwischen den USA-Militärs und Franco bekannt würden.

Der Bau von Flugplätzen zugunsten und im Auftrage der USA ist ein offenes Geheimnis. Die Russen behaupten, es seien 70, Zwar wird ein militärisches Abkommen zwischen den USA und Spanien von Acheson als „gegenwärtig unwahrscheinlich“ bezeichnet, doch widersetzt sich das amerikanische Außenministerium den Plänen des Kriegsministeriums nicht mehr und hat in den letzten Tagen sogar den Einspruch gegen eine Anleihe zurückgezogen. Nachdem schon zu Anfang des Jahres die Chase Bank Spanien eine private Anleihe von 25 Millionen Dollar gewährt hatte, kann der jetzt in New York weilende führende spanische Bankier Andres Moreno sogar mit der Export-Import-Bank offiziell über eine große Anleihe verhandeln. Als Hauptzweck wurde bisher die Modernisierung der Verkehrswege angegeben und die strategische Bedeutung dieser Aufgabe unverhüllt besprochen.

Vor dem Hintergrund dieser wichtigen, wenn auch unauffälligen Entwicklungen wurde nun zunehmend auch die Öffentlichkeit mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß Franco salonfähig werde. Führende englische Zeitungen, wie zum Beispiel die Times, haben sich schon vor Wochen für eine Aufhebung der alten UNO-Beschlüsse ausgesprochen. Die USA und Großbritannien haben bisher an dem offiziellen Boykott noch festgehalten und sich in Madrid nur durch Geschäftsträger vertreten lassen. Aber sie würden eine Normalisierung der Beziehungen sicherlich erleichtert begrüßen.

In Lake Success wird nun in dieser Tagen das totgeborene Kind des Spanienboykotts endgültig zu Grabe getragen. Auf Vorschlag der lateinamerikanischen Staaten hat am 7. Mai das Politische Komitee der UNO-Vollversammlung mit 25 gegen 16 Stimmen, bei 16 Stimmenthaltungen (darunter USA, England und Frankreich), empfohlen, die Entscheidung von 1946 insoweit aufzuheben, daß es jedem Mitglied der Vereinten Nationen freigestellt sein soll, seine Beziehungen zu Spanien so einzurichten, wie es ihm gefalle. Die Befürworter der Resolution sagen eine sichere Mehrheit für diesen Beschluß in der Vollversammlung voraus. W. G.