Eine Kurzoper in Heidelberg

Paul Valery sagte: „Das Geheimnis der Wahl ist nicht geringer als das Geheimnis der Erfindung.“ – Angesichts der heiteren Kurzoper „Das Wundertheater“ des jungen Komponisten Hans Werner Henze, die in den städtischen Bühnen zu Heidelberg zur Uraufführung gelangte, hatte man das schöne Gefühl, daß hier jenes Geheimnis zwischen Wahl und Erfindung in der rechten Proportion geherrscht habe. Ein Lustspiel-Intermezzo von Miguel de Cervantes, hat in der zwölftönig modernen Musik Henzes eine klingende Ergänzung gefunden, die völlig nahtlos das dichterische Gebilde einer längst vergangenen Stilepoche mit dem musikalischen Ausdruck unserer Zeit zusammenbindet. Was bei dem Theatererstling dieses Komponisten aber vor allem in die Augen springt, ist der absolute Instinkt für die Bühne, für das Szenische.

Es ist eine Oper für Schauspieler. Die tragende Mittlerrolle zwischen Musik und Wort fällt einer tänzerischen Rolle zu, die in der Heidelberger Uraufführung von Marcel Luipart, dem Solotänzer der Staatsoper München, verkörpert wurde (und zwar im Stil und der Absicht des Komponisten, tänzerisch schlechthin vollendet). Der Inhalt des Stückes stellt die betrügerischen Vorführungen eines Gaunerehepaares vor hochedlen Spießbürgern dar, denen sie einreden: nur wer ein Christ sei und von ehelicher Geburt, könne etwas von ihrem Wundertheater schauen. Und – alle diese Herren Bürger und Bürgerinnen „sehen“ diese tiefsinnige Schau. Die Gaunerei aber siegt, und die Wahrheit, in Person eines diesen Schwindel offenbarenden wackeren Soldaten, bleibt buchstäblich auf der Strecke. – Die Regie von Heinrich Köhler-Helffrich bot ein Feuerwerk des Witzes glänzende Bewegungseinfällen und wirklich gelungene choreographische Führung eines Schauspielensembles auf musikalischer Basis. Begeisterter Beifall. L. Spohr