Anläßlich der diesjährigen Finnischen Frühjahrsmesse in Helsinki nahmen Vertreter der Industrie- und Handelskammer Lübeck und der Deutsch – Finnischen Vereinigung Hamburg–Lübeck–Bremen Gelegenheit, sich über die künftigen Möglichkeiten der gegenseitigen Handelsbeziehungen zu orientieren. Die finrasche Wirtschaftsorganisation und die Messeleitung haben die Teilnahme der deutschen Vertreter sehr begrüßt.

K. D. B. Helsinki, im Mai

Finnland ist in den ersten Nachkriegsjahren durch die hohen Weltmarktpreise seiner Exportartikel trotz schwerer Reparationslasten wirtschaftlich ungewöhnlich schnell gesundet. Die Bewirtschaftung hat auf fast allen Gebieten aufgehört, und auch in Landwirtschaftserzeugnissen hat die Ausfuhr wieder eingesetzt. Durch relativ hohe Erzeugungskosten sind gegenwärtig für Schnittholz, Zellulose und Papier gewisse Absatzstockungen eingetreten. Aber wer über so wertvolle und fast unbegrenzte Waldbestände als Rohstoff verfügt, braucht wohl keine ernsthafte Absatzkrise zu befürchten. Finnland wünscht vor allem eine Wiederbelebung seines Warenaustausches mit seinen früheren deutschen Handelspartnern. Es wäre mehr als falsch, diesem Wunsch nicht zu entsprechen und Finnland etwa als „verlorenes Land“ zu betrachten.

Trotz der schweren Verluste, die das Land durch seine Kriege erlitten hat, ist ein schneller Wiederaufbau festzustellen. Die aus dem Osten stammenden 400 000 Flüchtlinge haben Landstellen oder Stadtwohnungen bekommen, die Kriegsinvaliden sind vielfach in neu errichteten Gemeinschaftsdörfern untergebracht, viele neue Industriebetriebe sind auf dem Lande und große neue Wohnblocks in den Städten entstanden. Ein Arbeitslosenproblem kennt Finnland kaum. Die Läden sind gefüllt mit qualitativ hochwertigen Waren. Die Preise liegen im allgemeinen recht hoch. Doch lebt man in Finnland durchschnittlich besser als in Deutschland.

Nach wie vor ist Finnland stark auf Außenhandel angewiesen, und es wünscht schon aus diesem Grunde mit Westdeutschland wieder engere Handelsverbindungen. Leider besteht zwischen Deutschland und Finnland noch kein neues Schiffahrtsabkommen. Deutsche Schiffe werden daher durch höhere Abgaben benachteiligt. Viele finnische Firmen sind an einer verstärkten Belieferung mit westdeutschen Waren interessiert und erwarten Angebote. Gegenwärtig haben die Westzonen in Finnland allerdings ein Guthaben von 4,5 Mill. das erst durch finnische Gegenlieferungen ausgeglichen werden muß. Im Juni wird jedoch mit der Erteilung neuer Einfuhrlizenzen für Waren aus den Westzonen gerechnet. Der finnische Handel mit der Sowjetunion zeigt ohne Zweifel steigende Umsätze (1948 Einfuhr 12,4 v. H., Ausfuhr 14,7 v. H.). Aber der Haupthandelspartner ist Großbritannien mit 25,1 v. H. in der Einfuhr und 28,3 v. H. in der Ausfuhr. Auch die USA stehen mit 12,0 v. H. in der Einfuhr und 9,2 v. H. in der Ausfuhr mit unter den wichtigsten Handelspartnern. Recht bedeutend sind ebenfalls die Handelsumsätze mit Holland, Belgien, Schweden, Dänemark, Frankreich und Argentinien. Von den USA, von England und auch von Argentinien hat Finnland langfristige Anleihen in Höhe von rund 333 Mill. hauptsächlich in Form von Warenkrediten, bekommen.

Deutschlands Anteil an der finnischen Einfuhr, der vor dem Kriege bei etwa 19 v. H. lag. ist auf 0,6 v. H. und der Anteil an der Ausfuhr auf 0,8 v. H. gesunken. Nicht erfaßt sind in diesen Zahlen die bedeutenden Abschlüsse, die die sowjetischen Monopolexportgesellschaften aus der deutschen Sowjetzone mit Finnland in Finnmark tätigen. Die alliierten und deutschen Wirtschaftsstellen in den Westzonen können nicht häufig genug darauf aufmerksam gemacht verden, wie verhängnisvoll die Dollarklausel sich im Auslandsgeschäft auswirkt. Die Sowjetunion verkauft aus der sowjetischen Besatzungszone zu niedrigen Preisen und in jeder Währung (auch außerhalb des mit Finnland in Dollar abgeschlossenen Abkommens über den Warenaustausch mit der Sowjetzone). Im Transitverkehr durch Deutschland wirkt sich die Dollarklausel ebenfalls verhängnisvoll aus.

Die diesjährige Finnische Frühjahrsmesse in Helsinki zeigte die bedeutenden Fortschritte der finnischen Industrie. Zahlreiche Erzeugnisse, die noch vor dem Kriege hauptsächlich aus Deutschland eingeführt wurden, werden heute von anheimischen Fabriken hergestellt. Das Reparationsprogramm (bei einer Ausgangsbasis von Warenlieferungen im Gesamtwert von 350 Mill. $ bereits zu 70 v. H. erfüllt) hat dazu geführt, daß insbesondere die metallverarbeitende Industrie und die Werften in den letzten Jahren bedeutend ausgebaut worden sind, Etwa 260 finnische Firmen stellten auf der Messe in geschmackvoll ausgestatteten Ständen ihre Erzeugnisse aus; darunter befanden sich einzelne Vertreterfirmen, die englische, französische und belgische Maschinen und Industriebedarfsartikel anboten. Die Qualität der finnischen Erzeugnisse wurde auch von ausländischen Fachleuten im allgemeinen als gut bezeichnet. Die äußere Aufmachung war ansprechend und dem Geschmack der Käufer angepaßt. Überall sah man auf den Erzeugnissen die Schutzmarke des Verbandes „Finnische Arbeit“, den blauen Löwenkopf aus dem finnischen Staatswappen.