Es war in Berlin, wo man Grethe Weiser gelegentlich auf der Bühne in einer Fasson bewundern konnte, die zwar der kessen Note ihrer Filmrollen entsprach, aber bei weitem mehr schauspielerischen Impetus aufwies. Mit anderen Worten: der Film zeigte ihre Routine, die Bühne ihr Herz. Was viele nicht glauben wollen –: die Weiser ist viel besser auf der Bühne als in gängigen Lustspielfilmen; sie ist sehr, sehr gut.

In den „Kammerspielen“ Hamburg trat sie (mit der charmanten und hübschen Edda Seippel, dem schlaksigen Hermann Lenschau, dem von Jugend vibrierenden Werner Dahms und anderen) als Star in einer Komödie auf, die von ihren Autoren Irma und Walter. Firner den Titel „Das Kuckucksei“ erhalten hatte. Das Stück spielt zwar in amerikanischem Milieu, aber Grethe Weiser, berlinisch gestimmt, machte „Miljöh“ daraus. Grethe ist hier zwar (uneheliche) Mutter eines Fräuleins, das, weil von Mama im Stich gelassen, durch reiche Adoptiveltern gut situiert wurde. Aber zugleich ist Grethe immer noch ein Weibchen, das durch die Keckheit ihres Mundwerks erschreckend und anziehend zugleich wirkt. Nichts über das Stück (das nett ist und von Alfred Noller flott inszeniert wurde) – wichtiger ist, daß man eine beliebte Darstellerin neu entdeckte: Grethe Weiser, deren Herzenstöne immer dann besonders echt waren, wenn nicht Jux, sondern Ernst ihr die flinke Stimme löste.