Die Schäden, die die Revolte vom 9. April 1948 vor allem in Bogota verursacht hat, werden erst heute im ganzen Umfang erkannt. Viele sind brot- und existenzlos geworden. Dazu leidet der Import infolge des zunehmenden Dollarmangels. Die heimischen Industrien dagegen, besonders Brauereien und Textilfabriken, haben für 1948 trotz allem wieder glänzende Abschlüsse gemacht, ihre Dividenden zum Teil sogar noch verbessern können. Wenn sich diese günstigen Faktoren nicht merklich an der Börse ausgewirkt haben, so liegt dies daran, daß viele Konzerne neue Kapitalien nur aus Emissionen beschaffen können, die dann wieder ungünstig auf die Kurse einwirken. Mit ausländischen Krediten ist es nach dem Putsch vom April 1948 so gut wie vorbei.

Auslandskapitalien aber braucht das Land dringend, insbesondere, für die Steigerung der Erdölgewinnung und für die Erschließung und den Ausbau der reichen Eisen- und Mineralvorkommen, in Paz del Rio. Die hierfür gegründete Gesellschaft, die Präsident hierfür kürzlich als das „meistversprechende Staatsunternehmen“ mit 100 Mill. kol. $ Kapital ins Leben gerufen hat, wird gegenwärtig von USA-Experten interessiert besucht. Die hereingenommenen Auslandskapitalien sollen in Zukunft mehr als bisher gesetzlich geschützt werden. Die bisherigen Dekrete der Devisenstelle machten Neuinvestierungen für ausländische Geldgeber leider fast unmöglich.

Zum Schutz der Dollarreserven, die seit Kriegsende einen Schwund von 100 Mill. aufweisen, führt die kolumbianische Regierung über die Devisenstelle seit Jahr und Tag drastische Einschränkungen durch. Nur solche Waren, die für das Land unbedingt notwendig sind und die es nicht selbst herstellt, werden bevorzugt zugelassen. Alle übrigen sind, wie auch in anderen südamerikanischen Ländern, in ein Schema eingestuft, und je mehr sie sich der Klassifizierung „Luxus“ nähern, um so mehr wird ihre Einfuhr illusorisch. Dies hat viele Importeure gezwungen, sich umzustellen oder ihr Geschäft zu liquidieren.

Seit Januar 1949 laufen Handelsvertragsverhandlungen in Frankfurt mit den Westzonen, wobei ein Abkommen über je 10 Mill. $ auf, Einfuhr- und Ausfuhrseite angestrebt wird. Da aber von Kolumbien die Lizenzen für die Einfuhr von Waren aller Art offiziell aufgehoben und auch die Auslandszahlungen wegen Dollarmangels auf unbestimmte Zeit eingestellt worden sind, nehmen die Verhandlungen einen schleppenden Verlauf. Kolumbien will Bestellungen für 5 Mill. $ an Kaffee und 2,5 Mill. $ an Tabak haben. Wenn nicht die Abnahme von entsprechenden Mengen deutscher Waren gesichert ist, kann ein solches Abkommen kaum recht nützen.

Die Einwanderungsbeschränkungen für Kolumbien sind vor kurzem großzügig gelockert worden. Auch Deutsche, die während des Krieges ausgewiesen waren, sind bereits wieder in Kolumbien tätig, wenn auchnoch nicht an „erster Stelle“. Die Regierung bevorzugt Techniker, Fachleute, Landwirte, Piloten, Kapitäne, Textilspezialisten, Bergbaufachleute, Geologen, Landmesser, Lehrpersonal. Sie alle haben Chancen, Geld zu verdienen. Allerdings ist nicht außer acht zu lassen, daß nach der neuesten Abwertung, die vom Währungsfonds formell genehmigt wurde, der Peso im Vergleich zum Dollar auf rund die Hälfte abgesunken ist, das heißt 1 US-$ ist gleich 2 kol. $ – am Schwarzen Markt sogar 3 kol. $. Damit parallel ist der Lebenshaltungskostenindex gestiegen. Rollitz