Französisches Gastspiel in Deutschland

Hans im Mond, Hans der Träumer – so könnte man den Titel übersetzen. Jef, ein romantisch-verträumter Dichter, wird so genannt: der blumenhegende Jef, der das leichte Pflänzchen Marceline geheiratet hat, der von ihr ein Horn nach dem anderen aufgesetzt erhält und sie dennoch immer wieder von seiner unwandelbaren Liebe und Treue überzeugen möchte. Ein reiner Tor also, ein „imbécile“, wie er im Stück heißt, rückt er in die Nähe von Dostojewskijs „Idioten“.

Marcel Achard, der bei uns zuletzt mit der „Zeit des Glücks“ bekannt wurde, hat das Stück bereits 1929 geschrieben, und Louis Jouvet hatte es damals inszeniert: eine bittersüße Charakterkomödie, die die echte und absolute, die ideale Liebe des Dichters mit den amourösen Affären eines kleinen Dings konfrontiert. Nach zwanzig, Jahren hat man diese drei Akte, die zugleich ein satirisches Sittenbild der Zeit zwischen den beiden, Kriegen sein sollen, nach Jouvets Regiebuch erneut auf die Bretter gestellt: ein wenig verstaubt nun, ein wenig verspielt, – mit Charme und Esprit aber, und vor allem mit Herz. – In Jacques Charon (von der Comédie Française) hatte die Aufführung einen, sublimen, virtuosen Darsteller der Titelrolle: wie er im großen Monolog des zweiten Akts vor der schlafenden Frau mit verhaltener Mimik und zarten Halbtönen Abrechnung über die kleinen Dinge des Alltags hält, ist über das vollendete Spiel hinaus bereits wieder ein Stück wirklichster Menschlichkeit. Das französische Ensemble, dem in dem (etwas billig auftragenden) faulen, zynischen Parasiten von Jean Richard oder in Fernand Fabre auch vom Film her bekannte Schauspieler angehören, konnte jetzt in Mannheim und einigen anderen Städten Süddeutschlands überaus erfolgreich gastieren.

Ulrich Seelmann-Eggebert