vierzehn Tage Urlaub auf Ehrenwort wurdeden Angeklagten im Weizsäcker-Prozeß vor der Urteilsverkündung gewährt. Das war eine faire Geste des Gerichts, das mit ihr bekundete, es halte die Angeklagten nicht für ehrlose Verbrechen In schwarzer Sträflingskleidung und gefesselt wurden die Verurteilten des gleichen Prozesses ins Gefängnis von Landsberg überführt. Diejenigen also, die für diesen Transport verantwortlich waren, behandelten sie wie schmutzige Gangster. Noch nie war bisher einer der Nürnberger Angeklagten gefesselt abtransportiert worden, nicht einmal der zum Tode verurteilte Pohl. Um so erstaunlicher war die Maßnahme einem Manne wie Weizsäcker gegenüber, zu dessen Gunsten angesehene Zeugen des Auslandes im Prozeß ausgesagt hatten und für den gerade jetzt der bekannte Staatsrechtler Erich Kaufmann, der selbst unter Hitler gezwungen war, auszusondern, in einem Brief an die „Times“ eingetreten ist.

Zur gleichen Zeit kam die Nachricht, daß ein amerikanisches Gericht die Habgas-Corpus-Klage des Industriellen Flick – den Versuch also, durch eine Klage eine Revision des Prozesses zu erreichen – kurzerhand abgelehnt hat mit der erstaunlichen Begründung, es handele sich bei den Nürnberger Gerichten, die nach dem IMT-Prozeß gegen Göring und Genossen noch Urteile wegen Kriegsverbrechen gefällt haben, um internationale Militärgerichtshöfe und deshalb könne ein Gericht der USA für eine Revision nicht zuständig sein. Dabei begann jede Verhandlung vor den nur mit amerikanischen Richtern besetzten Gerichtshöfen mit dem Entrollen der amerikanischen Flagge und den Worten: „Gott schütze die Vereinigten Staaten von Amerika“. Und jede Anklageschrift und jedes Urteil fingen mit den Worten an: Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen X, Y, Z.

Was lehren beide Fälle? In Nürnberg hat kein Verantwortlicher in höherer Stellung sich um den Abtransport der Gefangenen gekümmert. Alles war auseinandergelaufen, froh, die Prozesse vom Halse zu haben. Und in den USA bemüht man (ich, sie nicht Wiederaufleben zulassen. Recht und Anstand sind dabei auf der Strecke geblieben. Doch man täusche sich in den Vereinigten Staaten nicht: Es gibt genug Menschen überall in der ‚Welt, die solche Verletzungen des Rechtes nicht auf sich beruhen lassen werden. Zu groß war die Ahnungslosigkeit der meisten amerikanischen Richterin Nürnberg, zu übel waren die Methoden der Anklage. Tgl.