Zürich, im Mai

Die Chronik schweizerischer Ausstellungen, die seit der denkwürdigen Schau österreichischer Kunst durch die Expositionen von altdeutschen Meisterwerken in Schaffhausen, Werken aus Liechtensteinschem Familienbesitz in Luzern und durch die Kollektion lombardischer Kunst in Zürich immer wieder Veranstaltungen von Weltinteresse geboten haben, ist um eine Sensation bereichert: im Museum zu Allerheiligen von Schaffhausen wurde die Ausstellung „Rembrandt und seine Zeit“ eröffnet.

Die Initiative zu dieser Schau, die bis zum 2. Oktober währen wird, wurde im Sommer 1947 gefaßt, als der Wunsch, die im Krieg verschont gebliebenen schweizerischen Museen möchten den so vielfach obdachlos gewordenen europäischen Kunstschätzen Gastrecht geben, zum Vater des Gedankens einer Ausstellung der holländischen Kunst des 17. Jahrhunderts wurde. Wenn nun, wie der Stadtpräsident von Schaffhausen, Bringolf, zur Eröffnung der Ausstellung ausführte, die kleine Stadt Schaffhausen aus ihrer 900jährigen Geschichte die Verpflichtung gefühlt hat, durch diese Beherbergung holländischer Kunst einen Akt der europäischen Solidarität zu setzen und den deutschen Meistern des 15. und 16. Jahrhunderts die holländischen des 17. folgen zu lassen, ist das kulturpolitisch mehr als rühmenswert.

Aus deutschem und schweizerischem Privatbesitz, aus öffentlichen Sammlungen Hollands und Deutschlands sind über 200 Werke versammelt, die nicht nur Rembrandt selbst, sondern auch die Kunst der großen Zeitgenossen Hals, Oslade, de Witt und vieler anderer zeigen. Rembrandts „Selbstbildnis“, von dem gleichen Künstler restauriert, der auch „die Nachtwache“ gereinigt hat, erstrahlt in einem Glanz, der die so alte Theorie von ihm als „Meister des Dunkels“ historisch macht. Denn, wie schon die Restauration der „Nachtwache“ gezeigt hat, daß nur der Firnis Rembrandt nachgedunkelt hat und sein so viel beschriebenes goldig-braun, das typisch für ihn sein sollte, typisch nur für die Altersfolgen an seinen Bildern war, so beweist auch sein „Selbstbildnis“ das gleiche. Das Bild seiner Frau Saskia aus dem Kasseler Museum, seiner Mutter aus dem Museum von Amsterdam und sein Selbstbildnis aus Köln sind neben einer „Verleugnung Petri“ von Vermeer die Glanzstücke dieser Ausstellung. – R. K. N.