Ein Hamburger Kaufmann berichtet: Sitze ich da bei (folgt der Name eines bekannten Restaurants) mit einem Geschäftsfreund aus Wien. Er sieht sich bewundernd um und meint, eine so geschmackvolle Ausnutzung der gebotenen Möglichkeiten würde selbst die Vereinigte Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft nicht fertigbringen, wenn auch Peter Igelhoff ihren Kapitänen die Unvergeßlichkeit gesichert habe ... Sein Erstaunen wuchs, als uns die Speisekarte gebracht wurde, drei Seiten lang, deren Studium wir uns nunmehr widmeten. Da standen also Hummer, die kleinen zu 30 DM, die größeren zu 50 bis 60 DM, und nun war ja wohl, um der Unterhaltung ein wenig Lokalkolorit zu geben, die Hummer-Anekdote von Hein und seinem Hund fällig, die jeder Hamburger kennt – mit der klassischen Pointe: „Fleut du dien Hummer!“ Es war vielleicht nur ein Mißverständnis meines Gastes, wenn er sich trotzdem für Stangelspargel mit Schinken entschied – was mir nur angenehm sein konnte..., bei der Flaute im Geschäft bin ich ja augenblicklich knapp an barem Geld. An den Nachbartischen war man anscheinend in dieser Beziehung wohl besser daran; man aß Hummer, die kleinen und die großen, meistens die großen. Beim Herausgehen steckte sich mein Gast noch die Speisekarte ein, um sie in Wien herumzuzeigen. „So kann man in Hamburg leben“, wird es da heißen. Ja – aber verbucht wird das alles auf Repräsentationskonto

Zu Hause fand ich die Antwort des Hotels vor, in dem meine Frau und ich seit Jahren die Ferien verbringen. Die Preise für die Sommersaison können sich sehen lassen. Alles in allem genommen, werde ich für uns beide etwa tausend Mark für die vier Wochen dort veranschlagen müssen. Bei unserem laufenden Etat kann ich das selbstverständlich nicht aus dem versteuerten Einkommen erübrigen. Wo ist nun die Lösung? Sie sieht so aus: Im nächsten Dorf, ein paar Kilometer entfernt von unserem Ferienort also, wohnt doch mein alter Freund Onnen Visser, der uns voriges Jahr die hundert Möweneier schickte. (Wir hatten gerade wenig Gäste, und es war gar nicht so einfach, diese teuren Eier über Repräsentationsunkosten zu verwerten.) Selbstverständlich muß dieser „alte Kunde“, zur Aufrechterhaltung und Wiederbelebung der geschäftlichen Beziehungen, besucht werden. Über den weiteren Ausbau der Geschäftsreise werde ich am Strande nachdenken ...

Gewiß, der Buchhalter darf nicht aus der Schule plaudern. Den hätte ich aber bei seiner Denazifizierung gründlich hereinlegen können. Das wird er mir nicht vergessen. Und bis das Finanzamt hinter die Schliche meines „Geschäftsunkostenkontos“ gekommen ist, wird noch viel Wasser die Elbe herunterfließen. Wie eigentlich Menschen leben, wie sie reisen können – ohne die Ausweichmöglichkeit in das Repräsentations- und das Geschäftsunkotenkonto –, bleibt mit freilich ein unlösbares Rätsel. Hans Sinibald