Die kleinen niedlichen Tischlampen, die an den Sommerabenden weit über die Heide rotes Licht werfen, liegen auf einem Haufen zusammen. Sie warten auf den Elektriker, der sie untersuchen soll. Im Pumpenschacht herrscht feierliche Stille, der Motor ist kaputt, das Wasser muß beim Nachbarn geholt werden, es ist nicht weit zu ihm, aber die Eimer sind schwer. Die Post bringt Rechnungen und Prospekte und Angebote, Wein und Kaffee werden offeriert mit den blumenreichen Formulierungen einer eifrigen Reklame, die um den Kunden wirbt.

Die Aussicht auf die D-Mark, welche die Sommersaison bringen soll, macht das Pensionshaus umworben.

Es kommen Vertreter, sie öffnen Schachteln und Koffer, sie lächeln und erzählen Geschichten, sie preisen ihre Waren an – was für eine Welt, wer hätte geglaubt, daß es so etwas wieder geben wird. Gardinen werden angeschafft, es wird gemalt und gestrichen, eine Tür wird erneuert, der Schuppen ausgeräumt, der Keller gereinigt. Aber all das kostet viel Geld, allzuviel Geld, wie soll das wieder hereinkommen ... Und niemand weiß, wie das Wetter werden wird.

Drüben schäumt die Nordsee, von den Badegästen mit Vorliebe „Blanker Hans“ benannt. Wichtiger ist zur Zeit das Schäumen der Seife im Waschtrog. Auf der Straße treffen sich die Damen des Ortes, schon am frühen Morgen werden die Läden einer kritischen Musterung unterzogen. Das Ergebnis wird am Straßengraben diskutiert, die prallen Taschen ruhen auf der Erde.

„Noch keine Zimmerbestellungen für Juni? Nein, aber Pfingsten ist gut besetzt...“ – „Jetzt ist auch deutscher Blumenkohl angekommen, aber viel zu teuer.“ – „Wenn das bloß nichts wird mit der Getränkesteuer – die macht uns ja tot.“ –

Der Glassaal mit dem bezaubernden Ausblick auf die beiden Küsten glänzt in seifenfrischer Sauberkeit, der Brunnenmotor ist repariert eingetroffen – mit Nachnahme –, in der weißen Küche duftet es nach Kaffee, das Grün der Hecken vor dem Haus schaukelt sanft im Wind.

Mit roten Wangen, übermüdeten Augen und großen Koffern kommt der erste Gast: „Da sind wir, ach die Luft, die Luft – ja, wer hier das ganze Jahr hindurch leben könnte ...!“

P. Chr. Baumann