In der Pädagogischen Akademie in Bonn wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland am Montag, dem 23. Mai, feierlich unterzeichnet und proklamiert. Es trat sofort in Kraft.

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Rates, Dr. Adenauer, erklärte anläßlich der Unterzeichnung: „Das Grundgesetz, das wir beschlossen haben, beruht auf dem freien Willen, auf der freien Entscheidung des deutschen Volkes. Darum soll es uns, und zwar erst recht nach allem, was wir erlebt haben, ein heiliger Besitz sein, den wir wahren, den wir pflegen und den wir schützen wollen.“ Vor der Unterzeichnung in Bonn hatte in den elf westdeutschen Länderparlamenten die Abstimmung über das Grundgesetz stattgefunden. Insgesamt zehn nahmen die vorläufige Verfassung mit großer Mehrheit an. Als einziges Land stimmte Bayern nach 14stündiger Sitzung mit 109 Stimmen gegen 63 bei neun Stimmenthaltungen gegen das Grundgesetz.

Ein Regierungsantrag in Bayern, wonach das Grundgesetz trotz seiner Ablehnung durch den Landtag für Bayern rechtsverbindlich sein soll, wurde mit 97 gegen sechs Stim bei 70 Enthaltungen angenommen.

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Nach eineinhalbjähriger Pause ist der Außenministerrat der Großen Vier in Paris wieder zusammengetreten, um das Deutschlandproblem zu beraten. Vor Beginn der Viererbesprechungen hatten sich die drei westlichen Außenminister in zwei Zusammenkünften, über den von ihnen einzuschlagenden Kurs geeinigt.

Außenminister Acheson erklärte vor seiner Abreise nach Paris; „Wir sind nicht gewillt, unsere bisherigen. Erfolge gegen Versprechungen einzutauschen, die sich später als ebenso illusorisch erweisen könnten, wie es schon früher der Fall gewesen ist.“ Seiner Meinung nach sind die Westmächte heute besser imstande, mit den Konsequenzen eines Mißerfolges der Konferenz fertig zu werden, als bisher.

In einem Leitartikel erklärte die Moskauer Prawda, die Pariser Konferenz öffne den Weg zur Lösung aller Deutschlandfragen. „Ob diese Verhandlungen erfolgreich sind, hängt einzig und allein von den Westmächten ab.“