sind begabte Geschäftsleute, und der Geruch sagt ihnen nur, daß „ihre“ Fabrik auf Hochtouren läuft. – Noch eine Berühmtheit sah ich hier, die auf mich noch mehr Eindruck machte als das nächtliche Erdbeben, das mein Bett von der Wand rückte: Es war ein wohlbeleibter, soignierter Herr, der auf der Geschäftsstraße promenierte und mir als besondere Sehenswürdigkeit erklärt wurde. Er war nämlich der einzige Strafgefangene und hätte eigentlich in dem halbverfallenen Gebäude mit den zerbrochenen Fenstern sitzen sollen, das „Gefängnis“ hieß. Aber da Fluchtverdacht nicht bestand – wohin sollte er schon fliehen auf dieser Insel, wo alle Leute so gut wie miteinander verwandt sind –, ließ man ihn spazierengehen und über seine Sünden (Geldunterschlagungen) nachdenken. Der Lebensstandard dieser Insel ist hoch. Die prosperity hat im Kriege sehr zu-, wenn auch inzwischen wieder abgenommen, und kriminelle Verbrechen gab es seit 1928 nicht mehr.

Man kennt einander ...

Alle Italiener singen, alle Deutschen sind schuldig, und alle Isländer heißen David. Wenn sie nicht andere biblische Namen tragen (oder ganz nordische). Familiennamen sind ein Luxus, den sich nur wenige leisten. Üblich ist es, daß Söhne und Töchter den Vornamen des Vaters mit angehängtem son oder dottir tragen. Es kann so in manchen Familien durch Generationen einen Sohn etwa mit Namen Jacob Jacobson geben. Verwechslungen finden nicht statt. Man kennt einander ja ...

Hjördis Olafsdottir war eines der schönsten Mädchen von Reykjavik, sie hatte einen der reichsten Männer der Insel zum Vater und leitete selbst einen kosmetischen Salon. Am Nachmittag pflegte man sie im komfortablen Hotel „Borg“ beim Tee zu treffen, parlierend, selbstbewußt. Sie studierte damals gerade Lenins und Stalins Werke und maß sich im Rededuell mit den politischen Gegnern ihres Vaters. Isländer lieben das Streitgespräch; sie sind redegewandt und schlagfertig und von sarkastischem Humor. Nicht die bildende Kunst, nicht die Musik, die Sprache ist ihr eigentliches Kunstmittel seit den Tagen der „Edda“. Sie hat sich seitdem fast unverändert erhalten und hat, wie die arabische Sprache, die Fähigkeit, alle Fremdworte, auch die der modernen Technik, in eigenen Wortbildern wiederzugeben. Das Selbstbewußtsein der Isländer wird sehr stark dadurch bestimmt, daß sie Besitzer der ältesten früheuropäischen Dichtung sind.

Diese „Einsiedler im Atlantik“, wie sie sich mit koketter Ironie gern nennen, haben nachweisbar lange Ahnenreihen, ohne Gebrauch davon zu machen. Aber nicht, weil sie alle adlig sind, haben sie kein Proletariat, sondern weil sie ein natürliches Gefühl des Stolzes auf die Handarbeit haben, mit der sie nicht nur ihren Reichtum aus dem Meer gewinnen. Auch für die führenden Männer des Landes, die im Parlament, im Rundfunk, an der Universität rund um das Denkmal des ersten Amerikaentdeckers Leif Erikson residieren, war es noch immer natürlich, gelegentlich mit Mauerkelle oder Heurechen umzugehen, nicht aus Popularitätssucht, sondern weil das jeder tut und tun kann.

Einsiedler im Atlantik zu sein, in dieser grandiosen einsamen Natur, im Farbenrausch der Mitternachtssonne oder unter dem unruhigen, irrisierenden Flackern des Nordlichtes – das bedeutet ein Leben, das noch frei ist von Organisation, Militarismus, Vermassung, Lebensangst und der ganzen Skala der Schlagworte unseres Zivilisationselends. Das alles gibt es im Isländischen nicht einmal dem Worte nach ...

Island er bezta land i heminin? Alle Isländer sagen ja.