Der polnische Dramatiker Leon Kruczkowski schrieb ein Theaterstück: „Die Deutschen sind Menschen“, das in einer deutschen Universitätsstadt während des letzten Krieges spielt. Bislang hatte die polnische Nachkriegsliteratur eine sehr offenherzige Aggressivität gegenüber allem Deutschen zur Schau getragen. Indessen beobachtet man hier einen neuen Aspekt, unter dem der polnische Dichter die Deutschen sieht, denn er kommt zu dem Ergebnis, „daß die Deutschen nur unter der bestimmten Gesellschaftsordnung, nur unter dem Einfluß Hitlers, zu jenen entarteten Geschöpfen geworden sind, wie sie das Polen der Okkupation kennengelernt hat.“

In Lodz führte man als ersten deutschen Autor nach dem Kriege Kleist auf, sein „Zerbrochener Krug“ wurde im „Theater der Armee“ ein großer Erfolg. Es ist jedoch, nur eine Frage der Reihenfolge, denn man beabsichtigt, das klassische Theater der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die deutsche dramatische Literatur toll dabei nicht ausgeschaltet werden.

Die deutsche Musik steht im heutigen Polen in hohem Ansehen: in der notgebauten „Filharmonja“, in Polens Metropole, werden Schumann, Bach, Händel, Beethoven, Mozart und Brahms gespielt. Nur Richard Strauß ist geachtet, ebenfalls der Schwede Kurt Atterberg, beiden wirft man Nazihörigkeit vor. Stark beachtet wird die deutsche Emigrantenliteratur, weil sie dem deutschen Wesen entsprang, „das dem Bösen widerstehen konnte“. Das Komitee des Chopinjahres in Warschau bereitet für das Ausland eine Veröffentlichung „Das Chopinjahr in Polen“ in polnischer, russischer, französischer und englischer Sprache vor, auf die deutsche Ausgabe will man verliebten. Es soll jedoch auch ein Deutscher in die Chopinjury gewählt werden, die Vertreter aus fast allen Ländern der Welt nach Polen zu den Chopinfestspielen eingeladen hat. G. K.