Die Trümmer der Wohnstätten fordern von Jahr zu Jahr gebieterischer, beseitigt und wieder in Wohnungen umgewandelt zu werden. Berge an Arbeit warten auf uns: bei Kriegsausbruch betrug der Bestand der Wohnungen im Altreich (Gebiet der Weimarer Republik ohne Saargebiet) rund 18,5 Millionen. Unter Abzug des Wohnungsbestandes der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie in Höhe von 2,2 Millionen ergibt sich bei Ausbruch des Krieges eine Summe von 16,3 Millionen Wohnungen. Rund 40 v. H. – also 6,3 Millionen – wurden total zerstört. Von den verbleibenden 10 Millionen weisen zirka 3 Millionen erhebliche Teilbeschädigungen auf, so daß über die Hälfte des ursprünglich vorhandenen Wohnungsbestandes ausfällt.

Wichtiger als Wohnungsbau ist kaum eins unserer tausend Probleme. An Plänen ist kein Mangel, an gutem Willen scheint es im allgemeinen auch nicht zu fehlen, Baumaterialien gibt es seit Jahresfrist in Menge und moderne, rationellere Bauweisen tun das Ihrige. Und doch ist die Realisierung über – immerhin beachtliche – Ansätze kaum hinausgekommen. Der „nervus rerum“, das liebe Geld, fehlt. Pläne wiederum sind auch für die Finanzierung in Mengen vorhanden. Selbstverständlich nimmt jeder für sich in Anspruch, daß sein Plan, seine Theorie allein des Problemes Lösung sei. Es wimmelt geradezu von Finanzierungs-„Möglichkeiten“: da sind die „Spartöpfe“ durch Selbstfinanzierung, Vorschläge zum Zwangssparen auf steuerlichem Wege, da sind Notgemeinschaften; da gibt es Forderungen, Staat und Wirtschaft hätten die Hauptkosten zu übernehmen in Form von Krediten aus den öffentlichen Haushalten, von Banken und Versicherungsgesellschaften, aus dem Lastenausgleich, aus Importerlösen und Marshall-Plan-Zuwendungen usw. usw. Hundertmillionenbeträge sind bereits öffentlich und privat investiert worden. Doch solange die Gesamtsumme nicht hoch in die Milliarden geht, bleiben es die bewußten Tropfen auf den in diesem Falle besonders heißen Stein.

Einen neuen theoretischen Beitrag zu den „planmäßigen“ Diskussionen über die Wohnbaufinanzierung leistete auch die Tagung des Verbandes Freier Wohnungsunternehmer in Hamburg. Erfreulich festzustellen, daß die Redner ausnahmslos in einem Punkte einiggingen: in dem Maße, in dem die Lösung des Wohnbauproblems entscheidend in Angriff genommen werde, schreite auch der Abbau der Arbeitslosigkeit voran.

Minister a. D. Blücher empfahl als wichtigste Voraussetzung einer Wohnbaufinanzierung das „Sparen in jeder Form“, aber auch die Schaffung eines eigenen Wohnungsministeriums (letztere Maßnahme dürfte allerdings die erstere nach unseren Erfahrungen mit der Bürokratie von vornherein so gut wie paralysieren). Blücher ist der Ansicht, daß 2–3 Milliarden, die hoffentlich in den Wohnungsbau gesteckt würden, eine einzigartige Konjunkturpeitsche bedeuteten. Es müßten grundsätzlich Maßnahmen getroffen werden, wonach jeder steuerfrei ausgebe, der nachzuweisen imstande sei, daß er für seine Gewinne gering verzinsliche Wohnungen baue.

Es wurde auf der Tagung lebhaft für eine allmähliche Eingliederung auch der Wohnungswirtschaft in die soziale Marktwirtschaft und für eine zeitgemäße Mieterhöhung plädiert – bei gleichzeitigen staatlichen Mietzuschüssen für bedürftige Mieter, versteht sich, und nicht zuletzt für die Aufhebung des ohnehin „überholten“ Steuerprivilegs der Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen.

Umso erfreulicher die Mahnung, private und öffentliche Bauwirtschaft möchten zusammen und nicht wie bisher gegeneinander arbeiten – zum Nutzen des Wohnungsbaues in seiner Gesamtheit.

oka.