In diesen Monaten sind es 400 Jahre her, daß in den Wäldern des Isergebirges, in Gablonz, die erste Glashütte gebaut wurde. Allmählich entwickelte die Gablonzer Glas- und Schmuck industrie die Nachahmung von Edelsteinen. Und bald begannen die Erzeugnisse auf dem Weltmarkt mit den venezianischen Waren zu konkurrieren. Um die Jahrhundertwende beschäftigten sich in Gablonz 6000 Menschen mit Facharbeiten. Vor Beginn des letzten Krieges rangierten die Gablonzer mit ihren Glas- und Schmuckerzeugnissen an zweiter Stelle hinter den Pilsener Skoda-Werken; 1938 wurden für 800 Mill. Tschechenkronen Gablonzer Waren exportiert.

Aus der Heimat ausgewiesen, ohne Werkzeug und Spezialmaschinen, kam ein Teil dieser Gablonzer Facharbeiter nach Trappenkamp in Schleswig-Holstein. Auf dem großen Gelände eines ehemaligen Arsenals bezogen sie 100 Bunker. Aus Eisenschrott wurden Glasdruckzangen angefertigt, und Ende 1948 konnte die erste Glashütte in Betrieb genommen werden, die die Herstellung von Farbglas für Steinimitationen möglich macht. Die Gablonzer Export-Company in Trappenkamp hat Verbindungen mit den einstigen Absatzgebieten in aller Welt aufgenommen. Anfragen aus nordischen und überseeischen Ländern gehen laufend ein. Musterkollektionen werben in Amerika, und Postmuster wandern nach vielen Ländern der Erde.

Auf vielen Ausstellungen der letzten Zeit war man vertreten. Besondere Erfolge verspricht man sich von der Werbung auf der kürzlich in New York stattgefundenen Industrieschau. Der Auslandsabsatz soll zum Teil auf Kompensationsbasis erfolgen: Südamerikaner wollen Kaffee liefern, Australier Wolle und Norweger Fische,

Zur Exportsteigerung der Gablonzer Schmuckwaren hat die Landesregierung von Schleswig-Holstein einen Landeskommissar berufen und erhebliche Mittel für den Ausbau der Industrie zur Verfügung gestellt.

Man hofft, daß diesen Bemühungen der Erfolg nicht versagt bleibt. Zu den Gablonzer Knöpfen, den Clips, dem Christbaumschmuck, dem Metall-, Filigran- und Perlschmuck kamen in den letzten Monaten als weitere Produktionszweige noch Petroleumlampen für das blockierte Berlin und Arzneiflaschen. Vielleicht wäre auch für die Zukunft eine Teilung der Produktion kein gar so abwegiger Gedanke: Gebrauchsgegenstände für uns und neuester Gablonzer Schmuck für das Ausland. M. J.