Bei einem Fußballkampf im Athener Stadion, dem Endspiel um die Mittelmeermeisterschaft, kam es zu einem Zwischenfall, der weniger um seiner selbst, als um der Folgen willen, die er hervorgerufen hat, bemerkenswert ist. Der griechische Schiedsrichter hatte für die italienische und gegen die türkische Mannschaft entschieden, diese fühlte sich ungerecht behandelt, protestierte lebhaft, die griechischen Zuschauer griffen ein, Und es kam zu Prügeleien zwischen Griechen und Türken. Nun ist es so, daß der Sport in der internationalen Sphäre sich längst nicht mehr auf das reine Gebiet des Spiels beschränkt. Sportmannschaften sind im nationalen, ja eigentlich schon im diplomatischen Sinne Vertreter ihres Landes, gewissermaßen also unverletzlich.

Die Reaktion in der Türkei war sehr heftig. Es kam nicht nur zu scharfen Angriffen in der Presse, sondern auch zu Demonstrationen in Ankara und Izmir. Beide Regierungen haben offizielle Proteste ausgetauscht. Der griechische Minister Venizelos sagte bewegt, daß nach zwanzig Jahren Freundschaft das Versöhnungswerk seines Vaters in Gefahr sei, vernichtet zu werden.

Daß dieser Zwischenfall sich in einem Lande ereignen konnte, dessen Gastfreundschaft sprichwörtlich und in keiner Weise zu übertreffen ist, zeigt, wie sehr Krieg und Bürgerkrieg die Nerven der Griechen angespannt haben. Die Türken haben so reagiert, wie jedes andere selbstbewußte Volk dies leicht auch getan hätte. Bei beiden befreundeten Nationen tauchten bei dieser Gelegenheit zugleich alte Ressentiments aus einem jahrhundertealten Streit wieder auf.

Für uns ist dieser Fall lehrreich, und nur deshalb erwähnen wir ihn. Es gibt in Deutschland manche alten Ressentiments gegen diese oder jene Nation, berechtigte und unberechtigte. Wir sollten uns merken, wie gefährlich die Folgen für den Staat sein können, wenn Unverantwortliche sich erlauben, ihren Ressentiments freien Lauf zu lassen. R. T.