Monsieur Pierre, über sechzig Jahre alt, ist der älteren, der Proustschen Generation der französischen und internationalen Gesellschaft eine vertraute Erscheinung. Hat er doch unzählige Besucher gemeldet und einige tausend Diners und Soupers überwacht, darunter das sensationelle Verlobungsfest des letzten Königs von Spanien, das im Palais-Rose stattgefunden hat! Monsieur Pierre war beunruhigt, als er hörte, daß die Herzogin auf die Bitte des Quai d’Orsay ihr Haus der französischen Regierung für die Konferenz der vier Außenminister zur Verfügung gestellt hat. Als erstes schaffte er das vergoldete Gestühl des großen Salons fort, in welchem er nur vier der breiten Sessel ließ, für den Gebrauch der Minister. Nicht ohne Mißtrauen wohnte er der Installierung der hundert Telefonleitungen bei, die das Haus während der Konferenz mit: der ganzen Welt verbinden, Die Umgestaltung einiger Räume zu Bureaus für die Minister und deren Mitarbeiter nahm er mit Achselzucken hin. Dagegen fand das höhere Personal des Hotel. Grillon, welches der Quai d’Orsav für die Dauer der Konferenz in das Palais-Rose engagierte. Gnade vor seinen sehr geübten und kritischen Augen.

Freilich sparte Henri Robert, der berühmte „Chef“ des Grillon, der die Nationalspeisen jedes europäischen Landes zubereiten kann, nicht mit Anerkennung, als er die Küchen des Palais-Rose in Besitz nahm; er fand, daß Boni de Castellane, was immer für ein Don Juan er. gewesen sein mag, das Haus mit Herden hat versehen lassen, vor denen ein großer Kochkünstler sich nichts vergibt.

Außer dem Zarissimus Joseph dem Ersten gibt „es kein gekröntes oder “ngekröntes Staatsoberhaupt der weißhäutigen Menschheit, für das Henri Robert, nicht schon gekocht hat. Ähnliches gilt für Limousin, den beliebten Maitre d’hôtel des „Grillon“. Er hat sie alle bedient und kann sich rühmen, der ewig unzufriedenen Königin eines kleinen, tugendstrengen Landes ein Lob entrungen zu haben, was Landes der Hofbeamten jener nörgelfesten Majestät jemals gelungen sein soll.

Monsieur Dumaine, der Chef des Protokolls am Quai d’Orsay, hat es nicht nötig, Protokolls die Photos der Diplomaten zu zeigen und ihn über deren unbedingt zu berücksichtigende Eigenheiten zu instruieren, denn der Maitre d’hôtel kennt diese, und das Außenministerium kann sich auf ihn ebenso gut verlassen wie auf Louis Gauthier, den Barmann des „Grillon“, der ebenfalls in das Palais-Rose eingezogen ist und mit seinen Cocktailbechern das schwerste Problem seinen gelöst hat: das Getränk für die Problem delegierten! Die Russen verabscheuen bekanntlich die amerikanischen verabscheuen bekannthütet aber sein Geheimnis und verrät nicht, was er Herrn Geheimnis vorschlagen nicht, sollte dieser die Bar des Palais-Rose aufsuchen. sollte Wyschinski lehnt, seiner Leber wegen, Kaviar und Wodka – sonst so beliebt in den höheren Sowjetschichten – ab, ein Umstand, der denen zu bedenken geben sollte, die es nicht glauben wollen, daß der russische Außenminister glauben wollen, daß die böhmischen Bäder so ungemein zu lieben.

Der Aufzug des Palais-Rose ist Letellier, dem feinsinnigen und vielleicht deshalb so kahlköpfigen Cheflifter des „Grillon“, anvertraut worden. Mit wem ist Letellier in seinen dreißig Dienstjahren nicht schon auf- und abgeschwebt in dem altmodischen Fahrkasten des „Grillon“, und welcher der amerikanischen Generale zweier Kriege, von Pershing bis zu Clay, hat ihm. die Langsamkeit des Aufzugs im Hotel „Grillon“ nicht vorgeworfen! Dies wird ihm im Palais-Rose nicht widerfahren. Dort ist – wie übrigens auch im Quai d’Orsay – nichts zu sagen gegen den Lift, er fährt atlantisch schnell und leise und kann keinen Diplomaten verärgern.

Wie man sieht, hat die französische Regierung nichts unterlassen, wenigstens die Tücke der Objekte auszuschalten (der eines Diplomaten ist ja schwerer beizukommen) und um Enttäuschungen des Gaumens vorzubeugen, auf daß wenigstens von dort her keine Verstimmung der hoffentlich starken Vernunft der Delegierten Abbruch tue und damit dem Frieden der Welt schade.

Die Akteure