In Paris setzten die Außenminister der Großem Vier ihre Beratungen über das Deutschlandproblem fort. Wyschinski forderte eine Wiederherstellung der alten Viermächtekontrolle und die wirtschaftliche Einheit Deutschlands unter dem Motto „Zurück nach Potsdam“. Bevin legte für die Westmächte einen Plan vor, der die Anerkennung des Bonner Grundgesetzes für ganz Deutschland vorsieht. Beide Vorschläge wurden von den Verhandlungspartnern als jeweils unannehmbar abgelehnt.

Die Berliner Blockade ist durch den Streik der Westberliner Bahnarbeiter und sowjetische Gegenmaßnahmen praktisch wiederhergestellt worden. Der Verkehr von Güter- und Militärzügen wurde eingestellt, die Luftbrückentätigkeit; in vollem Umfang wieder aufgenommen. Die sowjetische Militärverwaltung kündigte Schießübungen im mittleren Luftkorridor an.

Die Außenminister der drei Westmächte betrachten nach Mitteilung politischer Beobachter das sowjetische Eingreifen in den Verkehr von Westdeutschland nach Berlin als einen Bruch der New Yorker Vereinbarungen über die Aufhebung der Berliner Blockade. Die gleichen westlichen Beobachter weisen darauf hin, daß die Einhaltung dieser Vereinbarungen zur Vorbedingung für die Durchführung der Pariser Konferenz gemacht worden sei.

Der französische Außenminister Schuman erklärte zur Pariser Konferenz, es sei zu früh, schon mit Sicherheit Voraussagen zu machen. Er hoffe jedoch, daß die Besprechungen auf jeden Fall zu einer Beendigung des Kalten Krieges führen würden.

In Washington betrachtet man, wie Reuters diplomatischer Korrespondent berichtete, die Pariser Verhandlungen mißtrauisch. Nur selten zeige sich jemand bereit, sich über die Möglichkeit einer Entspannung durch die Konferenz zu äußern.

Es wäre naiv anzunehmen, schrieb die Prawda, daß das Problem der deutschen Einheit im Handumdrehen gelöst werden könne. Es hänge alles von dem guten Willen aller Beteiligten an der Außenministerkonferenz ab.

Der SED-Vorsitzende Wilhelm Pieck nannte auf dem dritten Volkskongreß die Pariser Vorschläge Außenminister Bevins eine „glatte Verhöhnung der Forderungen des deutschen Volkes“. Eine alliierte Einigung über Deutschland könne nur auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens erfolgen. Mit 1999 gegen 1 Stimme nahm der Volkskongreß eine Verfassung für die „Deutsche Demokratische Republik“ ohne Diskussion an.