Von unserem westdeutschen Korrespondenten

J. Sch. Köln, Ende Mai

Der Austritt des Kardinals und Erzbischofs Frings aus der CDU kam für die Öffentlichkeit fast ebenso überraschend wie im November vorigen. Jahres die Mitteilung über seinen Eintritt. Schon damals wiesen Kreise außerhalb der CDU darauf hin, daß dieser Schritt sich nicht mit den Bestimmungen des Reichskonkordats vereinbaren ließe, wonach katholischen Geistlichen die Mitgliedschaft in politischen Parteien untersagt ist. Zu jener Zeit jedoch war in Bonn die Frage noch umkämpft, ob das Konkordat noch gälte und ob es in dem Entwurf verankert werden sollte, was nach Ansicht der Kirche durch den Artikel 123 des Grundgesetzes nunmehr geschehen ist. Kardinal Frings allerdings vertrat stets die Meinung, daß das Konkordat noch in Kraft sei. Vielleicht hat er durch seinen Eintritt in die CDU die Partei in ihrem Kampf um die Aufnahme des Konkordats in das Grundgesetz und um die Erfüllung der sonstigen Forderungen auf religiösem, kulturellem und erzieherischem Gebiet, die wiederholt von den Bischöfen nachdrücklich vertreten wurden, unterstützen wollen. Allerdings wurde nur ein Teil dieser Wünsche erfüllt, was in der Erklärung, die Kardinal Frings soeben im Auftrage der Fuldaer Bischofskonferenz zum Bonner Grundgesetz abgegeben hat, sehr deutlich unterstrichen worden ist, doch wird von erzbischöflicher Seite darauf hingewiesen, daß der Austritt in keiner Weise durch die politischen Vorgänge der letzten Zeit veranlaßt worden ist; er sei nur erfolgt, um dem Einwand, die Kirche halte sich selbst nicht an das Konkordat, jeden Schein einer Berechtigung zu entziehen.

Über die Opportunität des seinerzeitigen Eintritts von Kardinal Frings in die CDU bestand auch in kirchlichen Kreisen keine ganz einheitliche Meinung. Selbst CDU-Mitglieder äußerten mitunter Bedenken, sowohl im Interesse der Kirche als auch der CDU. Viele wollten den von allen Seiten, auch im Ausland, hochgeschätzten und sehr populären Kardinal nicht gern in einer politischen Partei wissen, „ihren“ Kardinal, der durch Wort und Tat sich überall und bei jeder Gelegenheit für den Ausgleich der sozialen Gegensätze, für gegenseitiges Verständnis und Güte sowie vor allem für Recht und Gerechtigkeit einsetzt. Vielleicht hat die Rücksichtnahme auf diese Stimmung in der Entscheidung von Kardinal Frings auch eine gewisse Rolle gespielt und seinen Schritt zurück aus der Partei mitbeeinflußt.