Paris ist vorerst keine Messe wert. Eine Zwischenbilanz der „Konferenz der Hoffnung“ erscheint, trotz der von Deutschland so zu begrüßenden Vorschläge, die Bevin im Namen der Westmächte gemacht hat, wenig vielversprechend. Ost und West stehen sich auch dieses Mal im Rose-Palais gegenüber wie Feuer und Wasser, „Einheit“ und Freiheit, oder, um es in den bisherigen Forderungen der Verhandlungspartner auszudrücken: wie Potsdam und Bonn. „Herr Wyschinski hat uns heute ein Bild des Paradieses im Osten und der Hölle im Westen gezeichnet“, erklärte John Foster Dulles am fünften Konferenztag. All dieses – einschließlich der Überheblichkeit des Westens, mit der er jede Umkehrung der Worte Wyschinskis für die lautere Wahrheit hält – ist nicht eben neu. Und doch wird die Konferenz, die vierte, die der Außenministerrat seit der Kapitulation abhält, von einem bisher unbekannten Faktor beherrscht: die Sowjetunion kann ihre ehemaligen Verbündeten nicht mehr mit der Drohung erpressen, daß ihnen ein passiver Widerstand zum Nachteil gereiche, ein aktives Vorgehen jedoch nur auf dem Wege Moskaus erfolgen könne. Wenn die Konferenz scheitert, ist diesmal Moskau der Verlierer. Der Westen weiß das. Dieses Wissen aber hat ihm bislang nicht unbedingt zum Vorteil gereicht, in Paris ebensowenig wie in Berlin. Keine diplomatische Position ist so gut, als daß sie nicht noch verbessert werden könnte, zumal nicht die des Westens. Warum also spekuliert man besonders in Washington oft schon im voraus auf einen Fehlschlag der Konferenz?

Die Ziele der Sowjetunion sind mittlerweile klar geworden: Umwandlung des Kalten Krieges in einen Heißen Frieden, der es ihr ermöglicht, Zeit zu gewinnen, ohne Gegenmaßnahmen des Westens hervorzurufen; das Deutschlandgespräch, wenn irgendmöglich auf Japan, Österreich und Griechenland auszudehnen und – vor allem – wirtschaftliche Vorteile einzuheimsen, eventuell gegen Aufgabe geringer politischer Positionen. Darum rief Wyschinski „zurück nach Potsdam!“ Fortan werden seine Konzessionen auf der Konferenz nämlich an dieser, von den Westmächten nicht verhinderten und von ihrer Presse als unvernünftig hingestellten Forderungen gemessen werden und nicht an den vom Westen in Paris offenbar erhofften Grundzügen der Warschauer Deklaration der acht Ostblockstaaten vom Juni vorigen Jahres, in denen der baldige Abschluß eines Friedensvertrages, verbunden mit dem Abzug aller Besatzungstruppen, vorgesehen war. Und die Entwicklung in Paris läßt trotz Bevins Deutschlandplan, der eben doch nur ein Vorschlag ist, die Befürchtung aufkommen, daß der Westen im Rose-Palais letzten Endes in der Tat wirtschaftliche Druckmittel gegen illusorische Positionen der Politik eintauschen wird. C. J.