Zerstörung des Kriegspotentials steht als Motiv hinter dem Washingtoner Abkommen über die verbotenen oder beschränkten Industrien. Alle anderen Gesichtspunkte sollten ausgeschlossen werden. Kein Unternehmer dieser Branche darf ohne Lizenz der Militärgouverneure die Kapazität seiner Werke oder Ausrüstungen erhöhen, „sei es, daß die Erhöhung durch eine Erweiterung der bestehenden Einrichtungen, sei es, daß sie durch den Bau neuer Einrichtungen oder die zuzügliche Verwendung neuer Ausrüstungen bewerkstelligt werden soll.“

Die Bestimmungen des Abkommens werden von den örtlichen Militärbehörden nicht gleichmäßig ausgelegt. Die britische Militärregierung in Nordrhein-Westfalen befleißigt sich seiner beängstigend engen Interpretierung. Sie erklärt zum Beispiel Ersatzteile für bereits lizenzierte Maschinen (Räummaschinen, Drehbänke, Fräs- und Schleifmaschinen, Schmiedepressen, hydraulische Pressen usw.) für wiederum lizenzierungspflichtig. Sie verlangt ferner, daß der Maschinenzensus, also der von den Betrieben anzumeldende Maschinenbestand, auch bei nicht beschränkten Industrien nicht verändert werden dürfe. In der eisenschaffenden Industrie müssen alle Ersatzbauten von Maschinen, die irgendwie die Kapazität des Werkes verändern könnten, lizenziert werden. Wenn etwa ein Stahlwerk einen neuen Changierkran braucht, dann muß es sich zunächst an die Militärregierung um die Genehmigung dieser Anschaffung wenden. Keine Maschine darf ohne Genehmigung der Militärregierung von ihrem Platz versetzt werden. Wie sehr solche Einschränkungen die Rationalisierung unserer Betriebe behindern können, liegt auf der Hand.

Aber es drohen noch andere Gefahren: Kommt eine Anfrage aus dem Ausland nach Werkzeugmaschinen, die den Beschränkungsbestimmungen unterworfen sind, dann ist die Firma, an die die Anfrage kam, nach der Weisung der Militärregierung von Nordrhein-Westfalen verpflichtet, sich sofort mit dieser in Verbindung zu setzen. Sie muß angeben, was für Maschinen bestellt werden sollen, wer der Auftraggeber ist ... Die Versuchung, solche Mitteilungen vielleicht auch noch zu anderen Zwecken zu verwenden, wird groß sein.

Das alles erfüllt die deutschen Stellen mit begreiflicher Sorge. Es fehlen offensichtlich noch die Ausführungsbestimmungen zu dem Washingtoner Abkommen. „Daher die Unterschiede in der Auslegung seiner Artikel. Oberdirektor Dr. Pünder hat in seiner die Demontage betreffenden Denkschrift, die er kürzlich den Militärgouverneuren übergab, auch das Kapitel dieser lizenzierungspflichtigen Maschinen angeschnitten. Er bat, für alle Länder und alle Betriebe gleiche Richtlinien zu erlassen. Hierin sollte dem freien Ermessen kein zu weiter Spielraum gegeben werden. Zu leicht könnte sich sonst das militärische Sicherheitsbedürfnis mit anderen, zur Zeit konkreteren Interessen verbinden, deren Befriedigung durch das Washingtoner Abkommen nach dem Willen seiner Urheber gewiß nicht Vorschub geleistet werden soll. R. S.