Duisburgs Enttrümmerung schreitet augenblicklich in einem Rekordtempo fort. Die Altstadt und das einwohnerreiche Arbeiterviertel Hochfeld werden bald gesäubert sein, und zwar nicht allein dank der Initiative der Stadtverwaltung, sondern weil Duisburg in Holland einen Abnehmer für die transportablen Reste seiner Kriegshinterlassenschaft gefunden hat: der Mauerschutt ist zum Exportartikel geworden, für den sich sogar die JEIA interessiert.

Ende Januar wurde ein entsprechendes Abkommen geschlossen, und jetzt sind die ersten Kähne mit Schutt bereits in Holland eingetroffen, wo die Einwohner von Middelbourg auf Walcheren allerdings nicht auf ihre Kosten kamen, da der Schutt keineswegs, wie „Kenner“ vorher erzählt hatten, „mit menschlichen Gebeinen und Schädeln durchsetzt“ war. Dagegen sind die holländischen Straßen-, Deich- und Wasserstraßenbauer recht zufrieden, weil der grobe Schutt – der Staub wird in Duisburg vorher abgesiebt – für ihre Zwecke besonders gut geeignet ist.

Der erste Lieferabschluß geht über 500 000 t. Aber Holland hat Bedarf an mehreren Mill. t. In Duisburg liegen gegenwärtig noch etwa 3,5 Mill. t, nachdem seit 1945 rund 1,2 Mill. t beseitigt worden sind. Nach Abzug des Staubs oder anderer Mengen, deren Erfassung nicht lohnt, könnte Holland etwa 2 bis 2,5 Mill. t Mauerschutt aus Duisburg bekommen oder knapp die Hälfte seines Bedarfs. – Deshalb ist das Duisburger Beispiel auch für andere Städte interessant. Voraussetzung ist nur, daß sie zu Holland ähnlich verkehrsgünstig liegen wie Duisburg. Denn Holland holt sich den Schutt mit eigenen Schiffen im Duisburger Hafen ab. Viel mehr als die reine Schiffsfracht verträgt das billige Massengut kostenmäßig nicht. Außerdem wird der Schiffsraum auf der Bergfahrt durch Getreide und Erze ausgenutzt, die in Duisburg umgeschlagen werden. Die Stadt Duisburg spart weite Transportwege für die Schuttbeförderung, ferner stellt Holland ihr den Treibstoff für den Lastwagenverkehr zwischen Trümmerstelle und Hafen und trägt auch die Verladekosten.

Beide Teile haben also Vorteile, und der erfreulichste ist wohl der, daß sich die Stadt Duisburg nun im Eiltempo säubern kann. B. S.