Der wohlgelungene Hafentag 1949 in Duisburg – die erste große internationale Veranstaltung dieser Art nach dem Kriege – stand im Zeichen weitgehender Verständigungsbereitschaft der aus Holland. Belgien, Frankreich, der Schweiz und Westdeutschland zusammengekommenen zahlreichen Unternehmer und Behördenleiter aus Verkehr, Wirtschaft und Verwaltung. Man sollte annehmen, daß der einmütig von allen Seiten geäußerte Wunsch nach Freiheit der Schiffahrt auf dem ganzen Rheinstrom als Voraussetzung einer europäischen Zusammenarbeit im Verkehr ebenso Verständnis und Gehör bei den politisch verantwortlichen Stellen finden müßte wie das Streben nach Wiederherstellung der Gleichberechtigung aller Rheinanliegerstaaten, und sei es auch zunächst nur auf der Grundlage der Mannheimer Schiffahrtsakte, die Dr. Alfred Schaller, Basel, wieder in Kraft zu setzen empfahl, mit dem Ziel einer späteren Anpassung an die gewandelten Verhältnisse.

Internationale Tagungen sollen alte Freunde zusammenführen und neue Bekanntschaften anknüpfen helfen, Ihr äußerer festlicher Rahmen, die fachlichen Vorträge (nach der sympathischen Begrüßungsansprache des Duisburger Oberbürgermeisters Seeling referierten Ministerialdirektor Dr. Seiermann, VfV., Frankfurt, über die Zusammenarbeit zwischen Schiene und Wasser, Oberstadtdirektor Dr. Nagel, Neuß, über die Hafenwirtschaft im europäischen Wiederaufbau, Prof. Dr. Most, Heidelberg, über die Wiedererrichtung einer echten, völkerverbindenden Rheingemeinschaft, Handelskammerpräsident E. E. Schulze; Duisburg, über die Bedeutung der Binnenschifffahrt für die westeuropäische Wirtschaft und – an Bord der „Bismarck“ bei einer Rhein- und Hafenfahrt – Hafendirektor Dr. Sticht, Duisburg, über die Nachkriegsentwicklung des niederrheinischen Hafenverkehrs), all dies soll letzten Endes nur, Anregung und Ausgangspunkt für die Entwicklung von Beziehungen von Mensch zu Mensch sein.

Wie die ausländischen Sprecher der vier westeuropäischen Länder in ihren Dankesworten zum Abschluß der Tagung ihrer Anerkennung deutscher Wiederaufbauleistungen und ihrem vorbehaltlosen Willen zu enger Zusammenarbeit Ausdruck verliehen, so darf von deutscher Seite mit Genugtuung festgestellt werden, daß wiederum ein Stein eingefügt wurde in den einsichtigeren Menschen schon in seinen Grundrissen erkennbaren Bau einer europäischen Völkergemeinschaft. Daß gerade vom Rheingebiet als Zentrallandschaft Westeuropas und dem fünf Nationen verbindenden Strom nicht nur unverbindliche Anregungen, sondern bereits praktische Resultate einer solchen Zusammenarbeit ausgingen, mag als Symbol wie auch als Gewähr für ein erfolgreiches Fortschreiten der ernsten Bemühungen der Wirtschaft um die Zusammenführung der Staaten und den ehrlichen Ausgleich der Interessen gelten.

Der Hafentag 1949 in Duisburg war ein erfreulicher Auftakt, und dies besonders für ein Deutschland, das gerade einen Tag zuvor^seine neue vorläufige Staatsform gefunden hatte und so zum ersten Male neben den Flaggen der anderen Nationen und den Wimpeln der Reedereien auch seine Farben wieder zeigen konnte. Sf.