Sicher ist soviel: die Kinder sind schuld. Weil sie die schönen neuen Pfennige in die Sparbüchsen stecken (es gibt übrigens neuerdings sehr hübsche, geschmackvolle Spardosen, die durchaus kein Hausgreuel mehr sind), fehlt es dem Geschäftsmann an Wechselgeld. Die Bürokratie steht, wie gewöhnlich, untätig zur Seite., anstatt diesen „Notstand“ durch Ausgabe von neuen Münzen zu beheben, dem Staat gleichzeitig aus dem Prägegewinn eine hübsche zusätzliche Einnahme zu verschaffen und außerdem eine pädagogische Aufgabe zu erfüllen: nämlich die Geschäftsleute wie auch die Hausfrauen wieder an das „Rechnen mit dem Pfennig“ zu gewöhnen. Schließlich sollten wir uns doch freuen, daß der vielbesprochene „Spartrieb“ bei unsern Kindern wieder so stark zur Geltung kommt und daß sie an der wichtigen geldwirtschaftlichen Funktion mitwirken, die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes zu bremsen ... Aber nein, statt dessen beklagen wir uns über den Kleingeldmangel!

Wie im kleinen, so im großen. Ein volles halbes Jahr hindurch würde der Konsument gescholten, weil er sich so gebärdete, als ob ihm das Geld in der Tasche brenne, weil er „draufloskaufte“. Es wurde ihm vorgeworfen, daß er das Sparen ganz verlernt habe: ohne Sparkapitalbildung aber, so hieß es, könnten die Produktionsanlagen nicht verbessert werden, bliebe die Produktion unzulänglich, komme der Wohnbau nicht. voran. Kaum ist die Kaufwut abgeklungen, kaum wird wieder ein Teil der laufenden Einkommen zurückgelegt, da heißt es schon wieder, wir stünden in einer „Unterkonsumtionskrise“. Also: der Sparer ist schuld! Wie soll sich Herr Jedermann aber nun eigentlich verhalten, wenn er es den Wirtschaftspolitikern weder so noch so recht machen kann?

Sicher ist freilich das eine: daß die ländliche Bevölkerung verhältnismäßig wenig kauft. Bei den Bauern (auch bei den Bäuerinnen) saß das Geld im Sommer und Herbst 1948 doch noch verhältnismäßig locker. Nach der Devise: „Man kann nie wissen, ob die neue Währung Bestand hat“, wurde mancherlei nicht unbedingt Notwendiges gekauft; die Verlockung, langentbehrte Waren überhaupt wieder bekommen zu können, regulär oder, schwarz, die Möglichkeit, wählen und aussuchen zu können, tat ein übriges. Dann kam der große Kartoffel-Schock, und das brachte den Umschwung Daß die heutige Absatzstockung sich am schärfsten in den Landstädten ausprägt, in den von der ländlichen Kundschaft bevorzugten Geschäften, in den auf sie angewiesenen Geschäftszweigen – das ist eine bisher viel zuwenig beachtete Tatsache, die aber für das Verständnis der Verursachung der gegenwärtigen Konjunkturflaute durchaus wesentlich erscheint.

E. T.