Zwei große Ausstellungen in Köln

Da vor einiger Zeit in Köln eine Schweizerische, französische und britische Architekturausstellung zu sehen war, gestattet die jetzige deutsche Ausstellung, die erste seit zwanzig Jahren, ebenfalls internationale Vergleiche. Die schweizerische Ausstellung war durch die vielen großen Lichtbilder und Modelle vor allem für das breite Publikum anschaulicher; auch ließ sie erkennen, daß in diesem von dem Kriege verschonten Lande „aus dem vollen“, aus wirtschaftlichem Wohlstand, gestaltet wird. Die deutschen Architekten müssen seit „1945 mit engen materiellen Grenzen rechnen. Darin liegt freilich ein geistiger Gewinn. Man besinnt sich auf die einfache und echte Form, und dies muß keinen Verzicht auf wahre Größe bedeuten.

Die Kölner Ausstellung zeigt in Plänen, Lichtbildern und Modellen die geplante Neuordnung deutscher Städte, den Kirchenbau, Bauten für kulturelle und für Erholungszwecke, Brücken, Verwaltungs-, Industrie- und Geschäftsgebäude und den Wohnungsbau, sowohl Siedlungen als auch mehrgeschossige Wohnhäuser. Namhafte Architekten haben sich beteiligt. So gibt die Ausstellung vor allem den Fachleuten einen überblick über bereits Geleistetes, über Bauvorhaben und über die Gesamthaltung, die undoktrinärsachlich-praktisch ist.

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An die Architekturausstellung schließt sich eine Gesamtschau der deutschen Malerei und Plastik der Gegenwart an. Nicht umsonst hat sich Köln immer stark für die moderne Kunst eingesetzt. Etwa 130 Maler und Bildhauer aus ganz Deutschland, auch aus Berlin und aus der Ostzone, stellen rund 500 Werke aus. Der Westen aber ist am stärksten vertreten. Die Ausstellung ruft in Köln lebhafte Diskussionen, Anerkennungen und Ablehnungen hervor, aber die Plastiken sind weniger umstritten als abstrakte Gemälde. J. Sch.