R. K. N., Basel, Ende Mai

Niemals ist eine der Basler Mustermessen so intensiv, fast möchte man sagen beschwörend, in den Dienst der Exportwerbung gestellt gewesen wie die 33., die am 17. Mai zu Ende ging und auf deren Ergebnis nun die – ziemlich ängstlichen – Augen aller schweizerischen Wirtschaftskreise gerichtet sind. Denn die Exportsituation des Landes, ist sie auch im Augenblick noch nicht so kritisch, wie man aus den Klagen der schweizerischen Wirtschaftsverbände entnehmen könnte, gibt doch Anlaß zu ernsten Befürchtungen. Nicht daß das Land schon jetzt in einer Krise stünde; dazu ist die Auftragsreserve, – welche die Exportindustrien in den fetten Jahren der ersten Nachkriegszeit akkumulieren konnten, und die noch immer bestehende Vollbeschäftigung doch zu groß. Viele Industrien haben bis heute von einer Verschärfung der Exportlage noch nichts gemerkt, während andere schon Unterbeschäftigung und Zwang zur Kurzarbeit beklagen. Eine Klage, die um so lauter tönt, als das Land durch die anomale Aufblähung seiner Wirtschaft in den letzten Jahren schon einen zur Normalisierung zurückführenden Schrumpfungsprozeß als Krise empfindet.

Dieser Schrumpfungsprozeß fand auch seinen Ausdruck anläßlich der Basler Mustermesse, deren bis jetzt veröffentlichte Zahlen weit hinter den Rekorden des Vorjahres zurückbleiben. Zum erstenmal seit Kriegsende brauchte der Ausstellungsraum nicht vergrößert zu werden. Die Zahl der verkauften Eintrittskarten betrug rund 390 000 gegen etwa 420 000 des Vorjahres. Unter den Besuchern waren allerdings immerhin 9000 Ausländer aus 62 Staaten, und die deutschen Besucher rangierten in der Zahl gleich hinter den französischen an zweiter Stelle.

Der endgültige geschäftliche Erfolg ist jetzt noch nicht voll zu übersehen. Erfahrungsgemäß stellt er sich oft erst nach Monaten ein, ja manchmal trägt eine Geschäftsbesprechung an der Messe erst nach einem Jahr ihre Früchte. Immerhin ist so viel klar, daß das Ergebnis sehr differenziert ist, wie es der gegenwärtigen Konjunkturlage durchaus entspricht. In einzelnen Branchen als „sehr gut“ bezeichnet, wird es in anderen „abnehmend“ bis „ausgesprochen schlecht“ genannt (so in der Uhrenindustrie). Es waren zwei Dinge zu bemerken. einmal, daß einzelne Firmen (vor allem der Textil- und Lederbranche) überhaupt auf Teilnahme verzichtet hatten, offenbar weil sie die Kosten scheuten, also schon sehr genau zu kalkulieren gezwungen sind und für Repräsentationsausgaben längst nicht mehr die offene Brieftasche haben wie in der Zeit, da jede derartige Ausgabe als Steuerabzugsposten geradezu begrüßt wurde. Zum anderen aber konnte man bei einzelnen Firmen ein Interesse an Exportabschlüssen feststellen, das sich von der fast interesselosen Zurückhaltung, mit der sie noch vor zwei Jahren Exportaufträge notierten, wesentlich unterschied. So konnte der Vizepräsident der Mustermesse als Lichtseite der abnehmenden Konjunktur immerhin größere Anstrengungen der Aussteller im Hinblick auf Stoffe, Formen, Qualitäten und Preise feststellen.

Wenn auch die Messe und ihre Kommentare unter dem Zeichen eines sehr gedämpften Trommelschlages standen, so blieben immerhin einige Branchen, voran die Maschinenindustrie, die Erzeugung von Präzisionsinstrumenten und die chemische Industrie, in der Lage, ihre alten Exportpositionen noch voll zu behaupten.