Flüssiges Magma schießt aus der Erdrinde

Von K. Rudzinski

Bisher haben sich die Menschen nicht gefragt, wem eigentlich der Mond und die Sterne gehören. Seit aber die Wissenschaftler berechnet haben, daß eine V2-Rakete, könnte man sie mit einem Wasserstoffmotor ausrüsten, sich 2500 Kilometer von der Erdoberfläche entfernen würde, soll es Leute geben, die sich bereits den Kopf über die Besitzrechte am Mond zerbrechen, wie jener Diplomat, der diese Frage vor die Vereinten Nationen bringen wollte. Auch ein Grundstücksamt der Vereinigten Staaten soll sich schon mit dem Problem befaßt haben, als zwei gewitzte Geschäftemacher einen Besitztitel auf ein Gebiet der runden gelben Mondscheibe anmeldeten. Unsere fortschreitende Technik wird im Weltall Aufregungen entfachen, wenn seine Inbesitznahme ähnlich verlaufen sollte, wie einst diejenige der Antarktis. Dabei sind sich die Gelehrten noch nicht einmal einig über die Herkunft der Himmelskörper. Zu interessanten Ergebnissen über die Entstehung des Mondes, denen man die Wahrscheinlichkeit nicht absprechen kann, ist der Geologe Prof. Quiring von der technischen Universität Berlin gekommen.

Vor rund vier Milliarden Jahren, als die Erde eine kaum mehr als 20 Kilometer dicke Rinde besaß, zerriß fein riesiger Meteor, mit kosmischer Geschwindigkeit im flachen Winkel von Ost nach West einschlagend, die dünne Haut, die das flüssige Erdinnere umhüllte. Dabei sprengte er ein Stück der Erdrinde von der Ausdehnung ganz Afrikas heraus. Entlastet von dem ungeheuren Druck schoß das glühend flüssige Magma rasend schnell (mit 13- bis 17-Kilometer-Sekunden), einer riesigen Sonnenprotuberanz vergleichbar, in den Weltraum hinaus. Mit einer Geschwindigkeit also, die ausreicht, die ausgeschleuderte Masse unter dem Einfluß einer ihr aus der großen Rotationsgeschwindigkeit der Erdoberfläche mitgeteilten zentrifugalen Beschleunigung zum Begleiter der Erde zu machen.

Das ist das Bild, das Professor Quiring von der Entstehung des Mondes gibt. Wie begründet er nun seine Auffassung?

Die Erde wird langsamer

Zunächst geht er dabei von der Beobachtung aus, daß die unter dem Einfluß des Mondes (zu einem erheblich kleineren Teil auch der Sonne) entstehenden Gezeiten der Meere und auch der festen. Erde eine Verlangsamung der Erddrehung um ihre Achse herbeiführen. Auf eine Stunde in rund 300 Millionen Jahren hat sie der englische Forscher Adams berechnet, ungeachtet der Beschleunigungen, die zeitweilig wieder eintreten. Die anfängliche, kürzeste Dauer der Erdrotation wurde nach physikalischen Erwägungen auf zwei Stunden und fünfundzwanzig Minuten berechnet. Sie hat sich im Laufe der Zeit auf rund vierundzwanzig Stunden, unsere Tageslänge, verlangsamt. Hätte der Mond nun die Erde vom Zeitpunkt ihrer Entstehung an begleitet, so müßte die Erdumdrehung jetzt schon viel langsamer vor sich gehen, als es tatsächlich der Fall ist, weil die Gezeitenwirkung der Sonne nicht zu einer derartigen Verlangsamung ausgereicht haben würde. Daraus ergibt sich zwangsläufig, daß der Mond erst zu einem späteren Zeitpunkt Erdbegleiter geworden sein kann.